Ein schöner, alter Garten war…

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Pierre-Auguste Renoir: Roseraie à Wargemont (1879)

Der alte Garten

Ein schöner, alter Garten war,
Nach Rosen roch es wunderbar:
Hoch wuchsen sie an Wegen,
Die schön ums Haus gelegen.

Er bot ein angenehmes Bild,
War nicht zu streng und nicht zu wild
Und Kunst tat ihn vollenden –
Er war in guten Händen.

Der alte Gärtner aber starb
Und der das Gartenamt erwarb,
Behalf sich mit zwei neuen,
Den Garten zu betreuen.

Der wollt ihn so erhalten,
Sie wollten umgestalten –
Was soll’s, er wurde überstimmt
Und war nicht einmal sehr ergrimmt.

Dem einen schien figürlich
Der Garten unnatürlich,
Dem andern schien er nutzlos schön,
Wollt drin Gemüse wachsen sehn.

Begann auch gleich zu planen
Und weil man Streit konnt ahnen,
So wurde rasch und übereilt
Der alte Garten aufgeteilt.

Die Rosen rissen beide aus
Und schnell verfiel das Herrenhaus,
Man konnt’s auf beiden Seiten
Nicht brauchen und nicht leiden.

Das Unkraut nahm bald überhand
Aus Faulheit und aus Unverstand,
Man ließ es also wuchern
Und pries es den Besuchern.

Zuletzt riss man die Zäune ein,
Müll warf man so und so hinein –
Nichts blieb vom schönen Garten
Als alte Ansichtskarten…

©Wolfregen

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Es leuchten Laternen…

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Michail Clodt von Jürgensburg: Abendstimmung (1874)

Martini

Der Herbst sucht sein Ende in trüben Tagen,
Was welk noch am Ast hängt, fällt müde ab,
Vom Acker schwer rumpelt der letzte Wagen,
Die Dorfstraße rollt er langsam hinab.

Büblein, zieh den Drachen ein,
Mädchen, lass das Tändeln sein –
Lauft zur Mutter gleich nach Haus,
Höhlt mit ihr die Rüben aus!

Wie traurig und einsam die Flur geworden,
Es lahmen die Pferde, es ist genug!
Nach Kraut riecht‘s, die Landarbeit allerorten
Getan ist, es ruhen Egge und Pflug.

Geht dem Vater doch zur Hand,
Wenn er das Geschirr abspannt –
Seht ihr nicht, es dämmert schon:
Sorgt um Tochter sich und Sohn!

Die Winde verkümmern und Nebel drücken
Auf Brachackerflächen, die neu bestellt,
Ins Frühjahr hinüber die Eltern blicken,
Wenn aufgeht die Saat im sprießenden Feld.

Seid ihr immer noch nicht fort?
Achtet nicht das ernste Wort?!
Schaut, im Dorfe brennt jetzt Licht,
An der Kirche stehn sie dicht.

Nun hört man auch singen, im Zug sie wandern,
Es leuchten Laternen, sie geben Schein,
Sankt Martin teilt Mantel und Not mit andern,
Gehorcht ihm, ihr Kinder, reihet euch ein!

©Wolfregen

Er wünscht sich, immer hier zu stehn…

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Foto: ©Martin Unger, Signal Iduna Park, Vereinshymne, Quelle: commons.wikimedia.org

Zwei Stunden Trost?

Großstadtbitternis! Er reiht sich ein
In einen Zug einsamer Wölfe,
Der zwei Stunden Trost beim Fußball sucht,
Das Stadion ist ausgebucht!

Vor dem Spiel Musikverbundenheit
Mit dem Verein, Lautsprecherklänge,
Die vielen wie ihm zu Herzen gehn:
Er wünscht sich, immer hier zu stehn.

Abendspiel! Novemberregen trübt
Die grelle Sicht, kalt wird den Augen,
Das Flutlicht ermüdet trotz Red Bull
Und das Ergebnis bleibt null null.

Stiller kehrt er heim, die Wohnung leer,
Viel leerer noch als er gegangen –
Die Decke, sie fällt nicht mehr herab,
Doch jede Hoffnung blättert ab…

©Wolfregen

Wenn Wesen aus der Anderwelt sich zeigen…

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John Anster Fitzgerald: The Old Hall (ca. 1875)

~ Samhain ~

Im alten Garten tanzen sie nun wild,
umwirbeln bunt leuchtfeurige Gestalten,
rot, gelb, orange durchflackert ist das Bild
in früher Nacht, wenn Nebelgeister walten.

Blattkobolde sind nicht mehr aufzuhalten,
sie wispern, rascheln im Gebüsch, im Baum,
wo graue, dünne Schleier sich entfalten,
beschwören Rübengeister, ruhen kaum.

Als wollten sie bewahren ihren Traum
von Licht und Leben in den düstren Zeiten,
Novemberherzen magisch in uns weiten,
Laternenglanz entzünden uns im Raum.

Hui, wie es knackt und zischelt in den Zweigen
gleich Funkenglut an Kohlen und Geäst
im wärmenden Kamin zum Samhain-Fest,
wenn Wesen aus der Anderwelt sich zeigen.

Drehn sich als Schemen totenstill im Reigen
an Zimmerwänden, die verschlossen schweigen,
nur draußen raunt der Windgeist kalt ums Haus
und bläst mit Nebelung die Lichter aus…

©Constanze

In einem einzigen Spiel…

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Foto: ©Sdo216, Cristiano Ronaldo bei der Ausführung eines Freistoßes, Quelle: commons.wikimedia.org

Wahnsinn

CR7 verdient
In einem einzigen Spiel
Im Durchschnitt genauso viel
Wie Michel Mindestlohn
In seinem ganzen Leben,
Der reine Wahnsinn eben!

Egal, ob CR
Sieben Tore schießt und siegt
Oder nach sieben Minuten
Vom Platz schon fliegt…

©Wolfregen

PS: „CR7“ ist das egomanische Numeronym des Cristiano Ronaldo, gebildet aus den Initialen und der Rückennummer 7, die er seit Jahren immer trägt

Die Saat ist ausgebracht…

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Albin Egger-Lienz: Der Sämann (1903)

Acker und Sämann

Hab gute Ruh, zerpflügte Ackererde,
Die Saat ist ausgebracht, damit sie Weizen werde,
Die Spreu hat sich getrennt vom reinen Korn,
Der alte Säemann, er blickt getrost nach vorn.

Es mögen Stürme wehen, Krähen kommen,
Der Herbst in grauer Dunkelheit im Lande stehn,
Das böse Wetter soll der Finsterwelt nicht frommen,
Man wird schon bald die Aussaat sprießen sehn.

Des Winters Kälte kann den Wuchs nicht kränken,
Du, goldner Boden, bist es, der bewahrt und schafft,
Du wirst den Frierenden mit reicher Furcht beschenken,
Der harrend dir vertraut und deiner Kraft.

Nicht lange hin, dann wird ein Frühjahr kehren,
Das helle Sonnenlicht wird sich der Wolken wehren,
Dann sprosset, Halme, grüne Ähren, reift,
Hoch aufgerichtet nach des Lebens Sommer greift.

©Wolfregen

Ein letztes Lächeln

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Foto: ©Constanze

~ Oktobergarten ~

Mein Garten blüht und singt noch bunt sein Lied,
nie lieblicher lag Schimmer auf Rabatten,
nie tiefer mancher Farbton, der hier glüht,
im Wissen um den kalten, dunklen Schatten,
der jede Sinfonie verklingen lässt…
und feines Harfenspiel, das bange flieht,
zum Echo wird in ersten Nebeltagen
mit kläglich dürft‘gem Rest,
der wiederkehrt und zaghaft Saiten zieht,
um nun sein letztes Lächeln anzutragen.

Ein Lächeln wie ein Hauch Rosé in Lidern
und Apricot auf Wangen später Rosen
– wie fern sie nur noch großen Klang erwidern
mit blassem Teint gleich lila Herbstzeitlosen,
die manchmal sich verliern im leichten Blau
des Himmels heit’rer Sonnenstunde Tanz,
nur Aufgesang in güldnen Blattwerktönen,
so windstill, ohne Grau,
und Chrysantheme, Dahlie stehn im Glanz,
in fülliger Erinnerung des Schönen.

Dies Schöne wohnt und wiegt sich leis in Zweigen,
im Herz der Linde und im Apfelbaum,
fruchtrot vollendet weckt des Herbstes Reigen
noch einmal Sehnsucht nach dem Sommertraum
und trägt doch Müdigkeit stets in den Gliedern,
ist licht und lau, getrübt und rau zugleich,
Oktober, der sich wie April verwendet
mit neuen alten Liedern,
wächst und verdichtet, welkt im Dasein bleich,
bis er im Winter schließlich kraftlos endet.

©Constanze

…siehe auch mein Gedicht „Aprilgarten“: https://wolfregensconstanze.wordpress.com/2016/04/13/wie-zarte-wortgebilde/

Die Wolken aber drohen Ungemach…

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Foto: ©unbekannt, Quelle: commons.wikimedia.org

Der Sturm

Ein Vorgartenidyll der Skalenstärke
„Unfassbar kitschig, aber wunderschön“:
Schneewittchen, Bambi und die sieben Zwerge,
Die vor Kleinschwanstein eng im Halbkreis stehn.

Gemäht wird wöchentlich der kurze Rasen,
Kein Hälmchen wage sich hervor zu weit!
Wie ordentlich sie Laub und Zweiglein lasen –
Verbildlichter Triumph der Spießigkeit.

Die Wolken aber drohen Ungemach,
Ganz furchtbar dunkel wird es von Südwesten,
Es stürmt und regnet schon und lässt nicht nach,
Es sieht nicht gut aus für den Schlaf, den festen!

Die kitschig heile Welt, die spült es weg
Zu einem nassen, schwarz verschlammten Haufen,
Das feige Jammern hat doch keinen Zweck,
Das schöne Wetter könnt ihr euch nicht kaufen…

©Wolfregen

Video

Dat du min Leevsten büst…

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Heute kein neues Gedicht aus unserer Feder, sondern zur Abwechslung einmal ein Hinweis auf drei Musiker, die es ganz wunderbar verstehen, dem alten poetischen Liedgut mit Seele neues Leben einzuhauchen…

Darauf aufmerksam wurde ich übrigens auf der Präsenz von Arabella: https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2017/08/20/das-lied-zum-tag-377/

Herzlichst Constanze

Es wusste niemand, was er litt…

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Foto: ©Wolfregen

Späte Berufung

Vorzeiten, da noch Gott im Land,
Hoch überm See ein Kloster stand,
Hieß Schauenberg mit Namen;
Äbtissin Resa lebte da
Mit einer kleinen Nonnenschar
Und sang ihr frommes Amen.

Legende oder wirklich wahr?
Besuch erhielt sie jedes Jahr
Von einem treuen Ritter;
Gut möglich, dass er barfuß ging,
Mit warmem Herzen an ihr hing,
Das wund von Kreuzes Splitter.

Es wusste niemand, was er litt,
Stets brachte er ihr Gaben mit,
So war es zwanzig Jahre;
Nie wechselten sie Worte viel
Und doch war Liebe mit im Spiel,
Beseelte, wunderbare.

An einem Abend wurd es kalt
Und dunkel war schon rings der Wald,
Da bat sie ihn zu bleiben;
Die Kerzen brannten schön und lang
Und als sie in der Krypta sang,
Schlug Nachtwind an die Scheiben.

Er ziehe fort ins ferne Land,
Mit Wehmut hatte er’s bekannt
Und ihr bei Tisch gesaget;
Sie sah ihn an mit wehem Blick,
Den gab er wehevoll zurück,
Als hätt sie ihn gefraget.

Schon weit nach zwölf war’s sicherlich,
Als er in ihre Kammer schlich,
Kein Laut mehr, der sie störte;
Die Decke hob sie rasch und gern,
Er stieg zu ihr, zu seinem Stern,
Den er so lang verehrte…

Am frühen Morgen ritt er fort,
Die schöne Sonne aufging dort,
Die sich ins Herz ihm legte;
Zum Schauenberg, noch blass und stumm,
Ein letztes Mal dreht er sich um:
Bewahr, was uns bewegte!

©Wolfregen