Der Sommer singt sein letztes großes Lied…

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Späte Rose ~

Der Sommer singt sein letztes großes Lied
für jene späte Rose, die nun blüht
und ihre Flügel lüftet in den Gluten,
sacht öffnen matte Decken sich zum Guten,
entblättern sich bis in das tiefe Herz.

Und aus dem Innern weicht ein dumpfer Schmerz
von Aufgestautem, das die Sonne mied,
um reich verschwenderisch jetzt auszuströmen,
ein Duft aus weiter Schale, der entflieht
in inniger Umarmung mit dem Schönen.

Es ist August mit seinen Abschiedstönen,
der sie fast maßlos sich entfalten lässt
und sich erfassen bis zum bittren Rest,
Hingabe muss den Niedergang nun krönen,
ein kurzer Flug bis nah zum Himmel hin.

Vielleicht ist das der einz‘ge Lebenssinn:
im Wissen um den langen Schatten sprießen
und aufgehn wie die Hand, die ganz sich gibt,
um dann mit allen Fingern zu umschließen
des Daseins Kraft in ihrem höchsten Klang!

©Constanze

Die Musicbox spielt abends „Mendocino“…

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Foto: Joe Mabel: Wurlitzer Jukebox, Quelle: commons.wikipedia.org

Foto: ©Joe Mabel: Wurlitzer Jukebox, Quelle: commons.wikipedia.org

Die Krone in Ödhausen

Ist eine jener Dorf- und Landgaststätten,
Woran nicht nur die Zeit vorübergeht,
Das einzig Neue sind Papierservietten,
Doch alles sonst am selben Platz noch steht;
Sie könnt auch Ochsen, Hirsch und Rössle heißen,
Die Tageskarte kennt nur zwei, drei Speisen.

Pommes frites bekommt man nicht zu den Gerichten,
Nicht weil man „haute cuisine“ und nobler wär,
Die gab es nie, die wird man hier nie sichten,
Zum Braten isst man Spätzle und nicht mehr;
Am Sonntagmittag hilft Bedienung eine,
Ansonsten geht es immer gut alleine.

Man könnt auch einen Nebenraum hier nutzen,
Der scheint seit Jahren aber schon verwaist,
Man müsst mal lüften und den Staub abputzen,
Geht jemand rein, dann ist’s die Neugier meist;
Am Stammtisch hat man sich nichts mehr zu sagen,
Man kennt von jedem schon die Alltagsplagen.

Der Ortsverein, wann wird er endlich siegen?
Ein Bild hängt, als man einmal Meister war,
Ist lange her, ist wieder abgestiegen
Schon gleich darauf im bittren Folgejahr;
Man hat die Kreisliga nie mehr verlassen
Und doch mag niemand hier ein Spiel verpassen.

Verirrt sich jemand Fremdes nach Ödhausen,
Dann wird hier alles plötzlich mausestill,
Und geht er wieder, kommt wer mit nach draußen
Und fragt sich, was der Reingeschmeckte will;
Noch auf dem Klo hält mancher rätselnd inne
Und starrt mit Argwohn in die gelbe Rinne.

Die Musicbox spielt abends „Mendocino“,
Wer Fernweh hat, den muss das arg berührn,
Die alte Wirtin – veritas in vino –
Wird sich ein Brot mit Essiggurke schmiern;
Die Plastikblume welkt nicht in der Vase,
Wer traurig ist, der sucht hier die Oase…

©Wolfregen

Wie wundersam beschützt wird das Große…

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Foto: Runner1928, Hohenzollern, Quelle: commons.wikimedia.org

Foto: ©Runner1928, Burg Hohenzollern, Waffenrock des Königs, Quelle: commons.wikimedia.org

Die Tabaksdose von Kunersdorf

Die Kugeln pfeifen über das Feld,
Die eignen Truppen fliehen und rennen:
Zum Feigling wird, wer eben noch Held,
Und Ehre scheint man nicht mehr zu kennen.

Der Sieg, er war zum Greifen schon nah,
Ein letzter Hügel blieb zu erstreiten,
Doch plötzlich sind Verstärkungen da,
Zum Gegenangriff diese nun schreiten.

Der König sieht’s mit wachsender Not,
Man hat gewarnt, man hat ihn beschworen,
Er wünscht, er wär getroffen und tot,
Denn alles scheint nun aus und verloren!

Die Massen treibt der Feind vor sich her,
Wer stehen bleibt, den säbelt er nieder,
Vergeblich stemmt bei schwindender Wehr
Der Rest sich mit dem König dawider.

Die eignen Leute zerren ihn fort,
Die Schlacht ist um, viel Blut ist geflossen,
Ein schlimmer, leichenstarrender Ort,
Zwei Pferde sind ihm selber erschossen.

Der Waffenrock des Königs zerfetzt,
Vom Schuss zerbeult die Schnupftabakdose,
Er selbst am Leben, ganz unverletzt –
Wie wundersam beschützt wird das Große…

©Wolfregen

Das Zeitenhaus

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Foto: Pixabay.com

Foto: Pixabay.com

~  Zauberreich ~

Leis öffnet sich geheimnisvoll das Tor
und Innres wird geborgen, hingegeben,
du trittst mit Neugier auf den Korridor
und tief im Bauch spürst du das Feuer, Leben,
die Kraft entfacht im nährenden Kamin,
hier ruht der Winter aufgehoben, schweigt
und lauscht dem Atem, der durch Ritzen flüstert,
lässt dich mit Gluten durch die Gänge ziehn,
verwehn im Herzraum, der sich wärmend zeigt
und Kerzen dir entzündet, dass es knistert.

Kristalle funkeln, Flammen licht wie Sterne
am Lüsterfirmament, dem sehnsuchtsblauen,
und Silberschalen spiegeln schimmernd Ferne,
die sich verliert in goldumrahmten Auen,
verwoben mit dem Frühlingstanz, Behang
in Fenstern, die hier sinnesfreudig blühn,
und buntdurchwirkte Stoffe glanzvoll singen
von Sommerreigenpracht und rotem Klang
der Rosen, die auf Kissen schwelgen, glühn –
Musik barock, Hingabe, Spiel verklingen…

Und liebevoll bewegt wird Schönes schwingen
auch dann, wenn du im Dunkeln weitergehst,
Vielfalt verwahrt, Samt, Seide von den Dingen
des Zauberreichs, wenn du befangen stehst;
im Düstren flackert zwar der Kandelaber
und fahler Schein streift kalt die Galerie
der Ahnen, die mit Strenge an dir walten,
und von den Schattenwänden fällt makaber
ein Todeshauch in Herbstes Szenerie –
und dennoch, Seele, wirst du Glück erhalten!

©Constanze

~ Inspiriert von einem Haus in Seßlach, Oberfranken ~

Als wär man in ein altes Bild gestiegen…

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Foto: Seßlach in Oberfranken, Wolfregen

Foto: Seßlach in Oberfranken, ©Wolfregen

Kleinod

Die Ankunft war schon wie aus andrer Zeit,
Als wär man in ein altes Bild gestiegen:
Dort in der Ferne, hinter Feldern weit,
Da muss das unbekannte Städtchen liegen;
Der Tag war heiß, kein Wölkchen, alles still,
Als stünd hier ohne Rahmen ein Idyll.

Bald standen wir vor Mauern, Turm und Tor,
Nichts Neues stört die faszinierten Blicke,
Ein Flüsschen zaghaft fließt direkt davor,
Darüber führt die steingebaute Brücke;
Der heil’ge Nepomuk, als schwieg er sacht,
Seit hunderten von Jahren stumm hier wacht.

Geht man hinein, setzt sich das Staunen fort,
Man sieht nur alte Giebelhäuser stehen:
Ein völlig heiler, unzerstörter Ort,
Wohin man auf dem Pflasterstein mag gehen;
Ein Haus fügt sich ans andre, keins ist gleich
Und geben doch vereint ein kleines Reich.

Ein schöner Marktplatz, Rathaus, alles passt,
Nur wenige, die solch Juwel noch haben,
Und ’s ganze Zauberkästchen wird umfasst
Von einer Stadtmauer mit ihrem Graben;
Drei Tore nähren Sicherheit und Ruh,
Die schließen sie am Sonntag wirklich zu…

©Wolfregen

Unterm Sterngefunkel…

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Gesang einer Sommernacht ~

Reich schwelgen Gärten nun in Pracht,
als hätten sie gewartet nur auf dich,
um dir, berührt von lauer Nacht,
ihr Liebeslied zu singen königlich,
und dich in bunten Träumen nur zu wiegen
mit samtnen Düften, die sich zärtlich schmiegen
von weißen Lilien, Rosenblüten,
hortensienblauer Fülle,
durchtränkt balsamisch Atem banger Tage,
schwer rinnt nur noch die Süße, ohne Klage,
berauschter Stunden in dein tiefes Herz,
nichts mehr betäubt von Ödnis und vom Schmerz
der kalten Winterstille;
verströmt jetzt einzig warme Glut,
die milde noch im Grünen ruht
an Schatten, die ganz sanft behüten
gleich einer Decke, sacht aufs Haus gelegt,
das, hinter Baumes Wipfeln matt versunken,
nun traulich schläft nah Teichen, schlummertrunken,
und einem Mond, der sie mit Glanz umhegt,
verschimmert leis im Spiegeldunkel
der klaren Flächen wechselnd mit dem Licht,
das sich aus Fenstern seine Bahnen bricht
hinaus in diese Sommernacht,
die dich so frei und glücklich macht
und heimlich unterm Sterngefunkel…

©Constanze

Von weiten Feldern, die Kamillen tragen…

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Foto: Guido Gerding, Quelle: commons.wikimedia.org

Foto: ©Guido Gerding, Quelle: commons.wikimedia.org

Sommertage

Mir träumte an solch heißen Sommertagen,
Die heller nur die goldne Kindheit kennt,
An welchen früh schon, eh die Glocken schlagen,
Die Sonne heiß vom blauen Himmel brennt,
Von weiten Feldern, die Kamillen tragen,
Und einem Kirschbaum, wo ein Bächlein rennt;
Da möchte ich ganz leis im Schatten weilen
Und über Mittag ihre Stille teilen.

Und wär’s ein Städtchen, müsst‘s aus Fachwerk sein
Mit Brunnenmarktplatz, wo die Kätzchen liegen,
Die in der Hitze auf dem Pflasterstein
Müd ihre ausgestreckten Pfötchen biegen,
Sie drehn sich um und sind hier ganz allein,
Kein Mensch ist jetzt aus seinem Haus zu kriegen;
Verschlafen wirkt es gleich nochmal so alt,
Da wünscht ich mir, es würde nie mehr kalt.

©Wolfregen

Berührt vom Füllhorn Leben…

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Nymphaea ~

Emporgewachsen aus dem dunklen Grund
des Wassers, still, geheimnisvoll und tief,
hat sie geöffnet ihren Kelch zum Rund
der edlen Schale, wo die Schönheit schlief;
ein Strahl aus Sonnenstunden, sternbeglänzten,
ward eingegossen und benetzte Seiten,
sanft perlte es von Lippen diamanten
der Blumenblattumkränzten
und aus dem Herzgold in die grünen Weiten
floss Nektar süß aus Quellen, unverwandten.

Nie zärtlicher und reicher scheint ihr Blühen,
nie leiser ihr Verwehn im Fluss geboren,
ein Hauch von Duft betörend lässt sie glühen,
Rosé auf blasser Haut singt traumverloren
wie Küsse, die nur flüchtig uns gegeben,
doch voller Anmut, Liebe – ewiglich,
wie Nächte, die von Dämmrung licht gestreift,
berührt vom Füllhorn Leben,
und zauberfein, verheißungsvoll ihr Strich
von lilienreiner Hand, die danach greift.

©Constanze

Sieben Brüder

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Schwäbin: Fünf Sühnekreuze ais dem 15. Jahrhundert in Plattenhardt, Quelle: commons.wikimedia.org

©Schwäbin: Fünf Sühnekreuze aus dem 15. Jahrhundert, Quelle: commons.wikimedia.org

Die Sühnekreuze von Plattenhardt

Die den Weg Bernhausen-Plattenhardt gehn,
Die werden am Ortsrand Steinkreuze sehn,
Es hätten hier früher weitre gestanden
Und halb sind versunken, die noch vorhanden…

Ein Vater hatte der Söhne sieben,
Er tat sie alle recht fördern und lieben,
Sechs waren verkommen, nur einer war gut,
Sie hassten ihn daher bis auf das Blut.

Sie kamen von einem Ritterturnier,
Er hatte gewonnen, sie lauerten hier,
Erschlug sie alle, die liedrigen Brüder,
Dann sank er selber getroffen nieder.

Der Vater erfuhr die Geschichte schaurig,
Es traf ihn der Schlag, so sehr war er traurig,
Und hier an der Stelle, wo sich’s begab,
Schuf man acht Kreuze wie an einem Grab.

©Wolfregen

Schwäbin: Hinweisschild, Quelle: commons.wikimedia.org

©Schwäbin: Hinweisschild, Quelle: commons.wikimedia.org

Noch eine alte Dorfsage

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Andreas Kieser: Ansicht von Bonlanden (1683)

Andreas Kieser: Ansicht von Bonlanden (1683)

Die Mädeleswiese

In Bonlanden mausgrau
Ein Schlösschen stand,
Am Kinn trug die Hausfrau
Das Witwenband.

Ein Töchterlein hatte,
War sanft und fein,
Der sollte ein Gatte
Gefunden sein.

Ein hässlicher Ritter
Im Nachbarort
Erhielt von der Mutter
Das Segenswort.

Das Mädchen im Zimmer
Erlauschte dies,
Drum nachts sie für immer
Das Haus verließ.

Man fand sie am Morgen
Dann tot im Wald,
Die Augen voll Sorgen,
Das Herz schon kalt.

Der Volksmund nennt diese,
Noch heut bekannt,
Die Mädeleswiese,
Wo man sie fand.

©Wolfregen