Er ging durchs Gebirg…

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Foto: ©sweetaholic / pixabay.com

*~ Sternenwanderer ~*

Es war schon dunkel, als er endlich ging
weit durchs Gebirg auf unbekannten Wegen,
vereist und aufwärts nur bei Schneewind, Regen
und jeder Schritt ein Stein, der an ihm hing.

So mächtig wie der Fels, der ihn umfing,
doch fühlte er die Kraft, ihn zu bezwingen –
es steckt viel Wunderbares in den Dingen,
in jedem Wandrer, der da einsam ging.

Voran, nur immer seinem Ziel entgegen,
das leuchtet auf dem eignen, hohen Pfad
wie jener Ort, der plötzlich vor ihm lag,
ein Lichtblick nach dem Sturm und stiller Segen.

Und über ihm der Mond mit sanftem Schimmer
und Glanz wie aus der warmen Häuser Zimmer
zog tröstlich in sein müdes, banges Herz
und nahm die Schwere von ihm und den Schmerz.

Nahm Winter ihm und gab der Seele Schwingen
wie einem, dem die Himmel leise singen
ganz ohne Wirrnis, Mühsal im Gepäck –
so ging er leicht, flog sternengleich hinweg…

©Constanze

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Reich mir die Hand, wenn du noch Träume hast…

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Friedrich Nerly der Jüngere: Canal Grande, Venedig (undatiert)

Sehnsucht nach Venedig

Reich mir die Hand, wenn du noch Träume hast,
Verschließ die schönen Augen, sei mein Gast,
Lass dich wie Helena mit Lust entführen,
Am goldnen Ziel will dich mein Kuss berühren
Und wiederfinden soll dich ein Palast.

Der öffnet sich in einem weiten Flur
Und draußen gibt es schöne Häuser nur,
Du stehst am Fenster, aller Sorge ledig,
Du bist im Herz der Schönheit: in Venedig
Und hinter dir verliert sich jede Spur.

Die Gondeln gleiten hin im Abendschein,
Der lichte Himmel färbt sich langsam ein,
Ein letzter Glanz sich legt, schon matt und schwächer,
Auf Kirchenkuppeln und auf hohe Dächer,
Als wollte alles ein Geheimnis sein.

Stell Kandelaber auf im ganzen Raum,
Dann zieh dich aus, ganz aus, erwart es kaum,
Auch deine Schönheit unverhüllt zu sehen,
Mit Fächer nur sollst du im Kreis dich drehen,
Denn mit der Wollust stirbt auch unser Traum.

Bis dahin aber tanze fröhlich fort,
Venedig ist dafür geweiht der Ort,
Die Liebe blickt durch Masken und Gewänder,
Von Haus zu Haus knüpft rot sie ihre Bänder
Und wo auch wär sie süßer, wenn nicht dort.

©Wolfregen

In eigener Sache…

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Liebe Freundinnen & Freunde der Poesie!

Es ist doch immer wieder erstaunlich, was der freudige Besuch auf den Präsenzen anderer WordPress-Teilnehmer zuweilen zutage fördert! Wie heißt es doch gleich? Jede Ähnlichkeit mit anderen Texten ist rein zufällig…

Deshalb seht ab und zu ein wenig genauer hin. Vielleicht entdeckt Ihr dann per Zufall irgendwo Euer selbst ersonnenes Intro auf einer Seite, auf der Ihr es nie vermutet hättet, im Wortlaut nahezu identisch übernommen von einer Euch unbekannten Person, wie z.B. hier:

https://gluecksfeegedichteblog.wordpress.com/ueber/

https://wolfregensconstanze.wordpress.com/ueber-mich/

Und wer weiß, vielleicht entdeckt Ihr eines Tages obendrein auch noch eines Eurer eigenen, mit Herzblut verfassten Gedichte unter einem fremden Namen. Ganz zufällig, ohne Eure Zustimmung und natürlich ohne irgendeine Quellenangabe. Ist doch klar!

Mit grauen, klammen Fingern…

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Foto: ©Constanze

~ Januargefühl (III) ~

Mit grauen, klammen Fingern, sturmgetragen,
streift mich der Januar in diesen Tagen
und dennoch sprießen zarte Hoffnungsblüten,
die warme, lichte Töne in mir hüten.

Und was vergangen, ruht als Landschaftsbild
so bunt gemalt, doch auch mit blassen Klängen,
die tonarm liebliche Natur bedrängen,
verschleiern und verwässern – ungestillt.

Ich bin an Herz und Seele sanft und wild,
nicht jeder Weg mag mich zum Gehn verführen,
nicht alles leuchtet, was dem Menschsein gilt –
doch kleinster Hauch kann mir die Tiefen rühren.

©Constanze

 

Januargefühl (II): https://wolfregensconstanze.wordpress.com/2017/01/04/ein-leuchten/
Januargefühl (I): https://wolfregensconstanze.wordpress.com/2016/01/19/der-schnee-fiel-wie-ein-schleier/

Ich möchte an die Liebe glauben…

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William Adolphe Bouguereau: La Vierge aux Anges, 1881 (Ausschnitt)

*~ Venezianisches Bekenntnis ~*

So manches Wort hab silbern ich gesagt,
doch diese Zeilen hier stehn still geschrieben
in Versgold und zu einem Ring getrieben,
der ewig schimmert, nicht nach Schatten fragt:
Ich möchte an die Liebe glauben,
an alles Schöne in der Welt,
selbst wenn uns Schnee vom Himmel fällt –
ich seh nur Federflaum von Tauben…
und seh Venedig und den Markusplatz,
dort sind sie reine Engel, lichte Boten,
sie singen groß und hell mir jeden Satz,
der leicht beflügelt, scheidet von den Toten.
So möcht ich immerzu Gesang erlauschen
in allem, was berührt, lebendig macht –
lass uns ein wenig mit den Schwingen rauschen
und venezianisch sein und sternbedacht!

©Constanze

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir wünschen Euch von Herzen frohe, gesegnete Weihnachtstage
und einen besinnlichen Jahreswechsel.
Alle guten Wünsche für ein glückliches Jahr 2018!

Das Glück ist ganz nah…

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Foto: ©Jocian, Quelle: commons.wikimedia.org

Willmann’s

Gut, dass es die Cocktailbar Willmann’s gibt,
Bei allen Sabrinas ist sie beliebt,
Die könnten auch Mandy und Jennifer heißen,
Hier träumen sie gern von karibischen Reisen,
Der Trinkhalm verbindet sie mit der Welt,
Mit allem, was in der Ferne gefällt.

Sie saugen das Flair einer Großstadt ein,
Vergessen sind Mief und Narrenverein,
Beraten sich, wie sie die Nägel lackieren,
Nur hier scheint das Leben genug zu pulsieren,
Der Barkeeper steht zwar gelangweilt da,
Verkörpert aber: das Glück ist ganz nah!

Ein Longdrink bei Willmann’s heißt „Sonne satt“
Und doch ist hier alles nüchtern und glatt,
Das öde Provinznest verlangt nach Moderne,
Sabrina und Mandy, die sitzen hier gerne,
Auch Jennifer weiß keinen bessren Ort
Und alle träumen, sie wären weit fort…

©Wolfregen

Goldherzen hängen an goldenen Fäden…

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Foto: ©susan_oh, Quelle: pixabay.com

Lichterfest

Ach, ist die Zeit
Vor dem Lichterfest schön:
Wintermarkt, Shoppen,
Schick einkaufen gehn;
Hell in der Innenstadt leuchten die Läden,
Goldherzen hängen an goldenen Fäden.

Im Einkaufszentrum,
Der Eingangshalle,
Sammeln sich Smileys
Und singen alle.

DJ Nick Zipfelmann
Haucht gefühlvoll ein Lied,
Geflügelte Jahresendpuppen
Man überall sieht.

Ach, ist die Zeit
Bis zum Lichterfest schön –
Lasst uns behände,
Wenn die Lichtshow zu Ende,
In die große Abteilung
Für Erdmöbel gehn…

©Wolfregen

PS: Bereits in der DDR soll es Bezeichnungen wie „geflügelte Jahresendpuppe/ Jahresendfigur“ (Engel) oder „Erdmöbel“ (Sarg) gegeben haben, um die Sprache zu säkularisieren.

Es ist schon spät in diesem Jahr…

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Foto: ©Constanze

„Pflücke die Stunde, wär sie noch so blaß,
Ein falbes Moos, vom Dunst des Moores naß,
Ein farblos Blümchen, flatternd auf der Heide;
Ach, einst von allem träumt die Seele süß,
Von allem, was, ihr eigen, sie verließ,…“

(Aus: „Carpe diem!“ von Annette von Droste-Hülshoff)

~ Pflücke die Stunde! ~

So dunkel und so still das Himmelszelt,
du gehst und gehst und nichts bleibt, was dich hält,
die letzten Blätter sind hinweggetragen
bunt wie die Träume, die die Seele sah,
der Nordwind kam und nahm sie ohne Fragen
und Tag um Tag kommt dir das Ende nah.

Es ist schon spät in diesem Jahr – es fällt,
droht nun im dichten Nebel zu versinken,
und dennoch blasse Blume auf dem Feld,
sie scheint den kleinsten Schimmer noch zu trinken
wie’s graue Moos den Tau am Wegesrand –
sie knüpft ein unsichtbares, ew’ges Band.

Ein Band zu Licht und Leben, das sie bindet
an jedes Quäntchen Hoffnung, das sich findet,
an alles Schöne, das den Tag erhellt
und Stund um Stunde leuchtet durch die Welt;
sie flattert unverzagt auf Herbstes Heiden –
pflück stets Gedanken, die das Herz dir weiten!

©Constanze

So wird’s mit allen Dingen sein…

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Jakub Schikaneder: Allerseelen (1888)

Herbst und Gottesacker

Die Blätter welken und fallen nieder,
Die Vögel gehen und kehren wieder
Wie Blumen und Sonnenschein –
So wird’s mit allen Dingen sein!

Die Menschen fürchten um Glück und Habe
Und tanzen zwei Schritt von ihrem Grabe
Und fallen doch alle hinein –
So muss es nun einmal sein!

Sie gehen traurig und kommen wieder
In neuen Kleidern wie schöner Flieder,
Den Garten aber kennt Gott allein –
Der Tod soll unser Gärtner sein!

©Wolfregen

Ein schöner, alter Garten war…

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Pierre-Auguste Renoir: Roseraie à Wargemont (1879)

Der alte Garten

Ein schöner, alter Garten war,
Nach Rosen roch es wunderbar:
Hoch wuchsen sie an Wegen,
Die schön ums Haus gelegen.

Er bot ein angenehmes Bild,
War nicht zu streng und nicht zu wild
Und Kunst tat ihn vollenden –
Er war in guten Händen.

Der alte Gärtner aber starb
Und der das Gartenamt erwarb,
Behalf sich mit zwei neuen,
Den Garten zu betreuen.

Der wollt ihn so erhalten,
Sie wollten umgestalten –
Was soll’s, er wurde überstimmt
Und war nicht einmal sehr ergrimmt.

Dem einen schien figürlich
Der Garten unnatürlich,
Dem andern schien er nutzlos schön,
Wollt drin Gemüse wachsen sehn.

Begann auch gleich zu planen
Und weil man Streit konnt ahnen,
So wurde rasch und übereilt
Der alte Garten aufgeteilt.

Die Rosen rissen beide aus
Und schnell verfiel das Herrenhaus,
Man konnt’s auf beiden Seiten
Nicht brauchen und nicht leiden.

Das Unkraut nahm bald überhand
Aus Faulheit und aus Unverstand,
Man ließ es also wuchern
Und pries es den Besuchern.

Zuletzt riss man die Zäune ein,
Müll warf man so und so hinein –
Nichts blieb vom schönen Garten
Als alte Ansichtskarten…

©Wolfregen