Und sieh den Schimmer zarten Grüns …

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Neu geboren ~

Neu bist du,
wenn du den Winter lassen kannst
– lass sein für dieses Jahr! –
und fühl den ersten wärm‘ren Strahl
der Sonne auf der Haut;
dann streu ein Lächeln aus,
das wie ein Same keimt im Erdenschoß
und Blüten sprießen lässt,
und sieh den Schimmer zarten Grüns,
das bald durch dunkle Gründe bricht
so wie die Freude in des anderen Gesicht,
gestreift von deinem sanften, lichten Blick,
der diesen Frühling wachsen lässt
durch grau verhangne Decken
und einkehrt in die Herzen,
um dich und mich
und schließlich alles
zu erwecken!

©Constanze

Ein kleines, gelbes Etwas…

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

Frühlingsbote

Ich trag es mit mir mit
Wie eine Feengabe,
Seit ich das schöne Bild
Im Wald gesehen habe.

Noch alles kahl und braun
Und tot und ohne Leben,
Die Sonne schien hindurch,
Da sah ich etwas schweben.

Ein kleines, gelbes Etwas,
Es gaukelte im Licht,
War ein Zitronenfalter
Und März war es noch nicht.

Am ersten warmen Tage
Schon war er zart erwacht,
O wüsst er, welche Freude
Er mir damit gemacht.

©Wolfregen

Zum Valentinstag!

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Kleine Gesten ~

Nie zärtlicher sind Lippen, wenn sie küssen
beim Abschied leise, wenn du winkst und gehst,
und leichter nie Gedanken um das Wissen,
dass du zurückkehrst, wieder vor mir stehst.

Dein Augenblau ist Himmel mir und See,
verschmolzen tiefer Grund und lichte Weite,
es spiegelt mild ein Lächeln, löst das Weh
so mancher Daseinsschwere von der Seite.

Du sagst, dass du mich gern erblickst, berührst,
und deine Arme halten mich und tragen
so wie die Seele innig, ohne Fragen,
wenn du dich anschmiegst und zum Tanz verführst.

Die Wärme deiner Stimme lässt mich schwingen
und dein Geruch im Haar und in den Dingen,
mit sanfter Hand berührt von dir, erfasst,
entfaltet Leben in mir ohne Hast.

Es sind die kleinen Gesten, die gedeihn,
die blühn im Herzen, alle Tage weihn,
mit Rosenworten möcht ich daran denken,
ihr Duft soll dich umfließen und beschenken!

©Constanze

Von ew’ger Schönheit, die den Himmel sieht…

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Winterwald, heilig ~

Die Tannen stemmen düster sich und schweigen
mit schmalen, klammen Fingern wolkenwärts,
ein kalter Atem fließt ins bange Herz
aus tiefer Einsamkeit und Stille,
durchbrochen scheint der Daseinswille
wie jener Korpus, den vereint sie zeigen.

Doch dann bewegt sich was im Wipfelreigen,
ein sanftes Rauschen, engelfein und leicht,
schneeweißer Flügel, federzart gebleicht,
die immerzu sich lüften, falten
und Glieder fest zusammenhalten,
leis im Gebet andächtig Hände neigen.

Und Winterwald singt heilig licht sein Lied
von ew’ger Schönheit, die den Himmel sieht,
wölbt seine Kuppel bergend über jeden
und stäubt Kristalle hin wie Blütensegen
auf Pfade der Vergänglichkeiten,
die dennoch sich in Liebe weiten…

©Constanze

„Reserviert“

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Foto: Eweht, Quelle: commons.wikipedia.org

Foto: ©Eweht, Quelle: commons.wikimedia.org

Eine neue Unart

In Freiburg, im Stadtteil Wiehre,
Da wollten wir essen gehn,
Es war noch recht früh am Abend,
Was sollte da groß geschehn?

Wir waren die ersten Gäste
Und waren doch irritiert:
Wohin wir auch sahen, lag schon
Das Täfelchen „Reserviert“!

Zwei Tische nur waren übrig,
Die standen verlorn im Raum,
Wir wollten so schlecht nicht sitzen,
Da schmeckt ja das Essen kaum.

Wann kommen denn all die Gäste?
Wir bleiben nicht allzu lang;
Sie ging in der Küche fragen,
Kam wieder im Girlie-Gang.

Die junge Bedienung sagte
Mit dämlichem Sorry-Blick,
Dass leider die Zeit nicht reiche…
Das war doch bestimmt ein Trick?!

Beim nächsten Mal reservieren,
Empfahl sie mit Zuversicht;
Nein danke! Wir gehen wieder,
Ein nächstes Mal gibt es nicht!

©Wolfregen

PS: Das Bild oben zeigt nicht die im Text beschriebene Gaststätte.

Ein Leuchten…

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Januargefühl  (II) ~

Das Jahr ist um, ich malte es mir bunt,
das Winterweiß der kargen, kalten Tage,
und hielt die Strahlen einer goldnen Stund
wie ein Geschenk, ein Lächeln ohne Klage.

Dann endlich flog der Frühling übers Land,
ein lichter Vogel, der mein Herz mir band
an alle blauen Himmel, grünen Räume,
er sang ein Sommerlied in meine Träume.

Und Sommer kam und mit ihm seidne Rosen,
purpurner Klang und Duft und Sinnlichsein,
ihm wollte ich das volle Leben weihn
und trug in Händen erste Herbstzeitlosen.

Entblättert fiel mir alles welk zu Boden,
doch blieb ein Leuchten auf dem müden Grund
und Januar singt neue Sehnsuchtsoden
mit zarten Hoffnungsblüten im Verbund.

©Constanze

~ Januargefühl (I) ~ siehe hier: https://wolfregensconstanze.wordpress.com/2016/01/19/der-schnee-fiel-wie-ein-schleier/

Du wärst darin die unbekannte Schöne…

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Imre Gergely: Abendstimmung in Venedig (ca. 1911)

Imre Gergely: Abendstimmung in Venedig (ca. 1911)

Drei Wünsche

Hätt ich vom Tod drei letzte Wünsche frei
Und dürfte Ort und Jahreszahl mir wählen,
Es wär Venedig 1703
Mit seinen Kuppeldächern und Kanälen.

Du wärst darin die unbekannte Schöne,
Die mit dem Fächer am Rialto geht,
Die abends in der Oper vor der Bühne
Sich beim Gesang in meine Richtung dreht.

Dir folgte ich in warmer Sternennacht
In stiller Gondel bis ans dunkle Haus,
Du stiegest, wenn man drinnen Licht gemacht,
Mit schönem Fuß in feiner Robe aus.

Ich schickte dir gewagte Liebesbriefe
Und träfe dich auf einem Maskenball,
Mein Wunsch wär, dass ich einmal bei dir schliefe,
Nach scheuem Zögern wäre dies der Fall.

In deinen Armen würd ich glücklich sein
Und müsste ich‘s, so wollt ich darin sterben,
Im Wasser spiegelte sich Mondes Schein
Und die Lagune würde hell sich färben.

©Wolfregen

Zünd an das Licht…

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Foto: Wolfregen

Foto: ©Constanze

Weihnachtsabend

Zünd an das Licht,
Von draußen dämmert‘s schon,
Ach, hörst du nicht
Den süßen Glockenton?!

Ein Engel eilt
Schon sanft von Haus zu Haus,
Ich fühl‘s, er teilt
Uns Weihnachts Segen aus.

Am Himmel liegt
Ein ungewisser Schein,
Kein Sternlein blickt
Und bald schon wird es schnei‘n.

Im Stübchen brennt
Dafür nun hell der Baum,
Da schreckt und kennt
Die Dunkelheit uns kaum.

Vom Herzen her
Erstrahlt der warme Glanz,
Im Geist noch mehr
Und in dem Kinde ganz.

©Wolfregen

Wir wünschen Euch, liebe Leserinnen und Leser,
ein besinnliches Weihnachtsfest
und einen schönen Jahresausklang!

Was sag ich nun..?

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Foto: Jessie Eastland, Quelle: commons.wikimedia.org

Foto: ©Jessie Eastland, Quelle: commons.wikimedia.org

Bilderstürmer

Mit Worten kann man Schlösser bauen
Und schön sind solche anzuschauen
Wie blauer Himmel im April,
Behaupten kann man, was man will;
Wer Worte führt, der darf sie lenken,
Und wer sie anhört, muss sie denken.

Bekanntlich fehlen solche nie,
Fein spielend mit der Phantasie,
Ein Wort schon kann sie hell entfachen,
Doch Bilder sind’s, die sprachlos machen:
Die unbedacht der Zufall sah
Und festhielt mit der Kamera…

Hier tönt kein Loblied, kein Gedicht
Und schleicht wie süßer Brei ins Ohr,
Da hilft kein Wortkram mehr, da sticht
Die Wirklichkeit so derb hervor
Wie schwarz auf weiß, wie Shakespeare schrieb,
Und mehr als manchem Träumer lieb.

Was sag ich nun? Wenn diese Bilder,
So echt sie sind, doch nur nicht wären!
Ich wünschte mir, sie würden milder
Und niemand würde sich drum scheren;
Begriffe kann man drehn und wenden
Und, was real ist, überblenden.

©Wolfregen

Er denkt, es sei Realität…

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Le penseur de la Porte de l'Enfer (musée Rodin), Foto: Jean-Pierre Dalbéra, Quelle: commons.wikimedia.org

Le penseur de la Porte de l’Enfer (musée Rodin), Foto: ©Jean-Pierre Dalbéra, Quelle: commons.wikimedia.org

Alles Lüge

Es hört sich unglaubwürdig an,
Wie kann man nur so schamlos lügen?!
Wohin er zappt, er sieht, man kann –
Nur Schwindel, Falschheit und Betrügen.
Und wechselt er hin zu Privat,
Noch künstlicher ist das Format.

Er denkt, es sei Realität,
Es sind erfundene Geschichten,
An Darsteller schnell drangenäht,
Stellt ab, will’s Abendbrot sich richten,
Bemerkt am Käse, wie er liest,
Dass der auch analog nur ist.

Da geht er zornig aus dem Haus,
Will lebensechte Menschen treffen:
Der sieht halb wie ein Zombie aus,
Die scheint ein It-Girl nachzuäffen –
Nicht mal die Stimme stimmt an ihr,
Ist überhaupt was echt an dir?

Ein Richter, der Beweise schwärzte,
Ein Weiser, der die Wahrheit floh,
Gelehrte, Volksvertreter, Ärzte,
Die zynisch, faul sind, schadenfroh,
Dem Gelde aber sehr gewogen,
Ansonsten feige und verbogen.

Fassaden sieht er, Schauspiel eben,
Und nimmt zur Religion die Flucht,
Die Masken dort nur fester kleben,
Es stinkt dahinter gleichverrucht,
Selbst in den Schriften Widersprüche:
Heiliger Unfug, Pestgerüche!

So lässt er’s wieder, wirft am Morgen
Sich an die Brust Muttern Natur,
Allein, es bleibt ihm nicht verborgen,
Noch krasser zieht es seine Spur:
Vom Elefanten bis zur Mücke
Nur Tarnung, Täuschung, List und Tücke.

Er setzt sich müd auf einen Stein,
Wie hohl ist alles und gemein!
Nichts, wie es scheint, an allen Dingen:
Sein Spiegelbild zerfließt in Ringen
Und wie er blickt in dunklen Teich,
Da schwindet ihm der Sinn zugleich.

Sein Selbst ein Trugbild, fort der Schleier,
Er ist nicht mehr Herr Schulz, Herr Maier,
Die Farben, Zeiten schütteln sich,
Verschwimmen, eh sich leert sein Ich.
Was dann kommt, dürft ihr ihn nicht fragen,
Mit Worten lässt es sich nicht sagen…

©Wolfregen