Frühling geht geschwind vorbei…

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Foto: ©Störfix, Seßlach, Innere Rodachbrücke, Quelle: commons.wikimedia.org

Frühlingsabend

Vor dem Städtchen fließt ein Bach,
Seinem Wasser seh ich nach,
Fließt in blaue Ferne,
Folgte ihm so gerne.

An der Brücke still dahin
Strömt es, Fischlein schwimmt darin
Unter ihrem Bogen
In den hellen Wogen.

Fällt ein Blütenzweig hinein,
Glänzt im späten Sonnenschein,
Treibt halb drin, halb drüber
Traurig schön vorüber.

Fremd in dieser Welt wir zwei,
Frühling geht geschwind vorbei,
Irgendwo dort hinten
Wird er niemals enden.

©Wolfregen

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Den Schnabel sperrt er gierig auf…

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Foto: ©Per Harald Olsen, Rohrsänger beim Füttern eines jungen Kuckucks, Quelle: commons.wikimedia.org

Kuckuckszeit

Ein Kuckuck sitzt im fremden Nest,
Sich von zwei Narrn verhätscheln lässt,
Rund um die Uhr nur für ihn da
Sind Vogelmutti und -papa.

Den Schnabel sperrt er gierig auf,
Schon wieder liegt was Leckres drauf,
So wird er bald schon groß und fett
In seinem Himmelhängebett.

Hat fast schon doppeltes Gewicht,
Doch Stiefgeschwister mag er nicht,
Kaum kroch er aus dem falschen Ei,
Ist ihre Lebenszeit vorbei.

Er duldet niemand neben sich,
Ob Ei oder schon piepserlich,
Er schubst, hier dehn nur ich mich aus,
Sie nach und nach zum Nest hinaus.

Und ihre Eltern lassen‘s zu?
Und füttern ihn in aller Ruh?!
Sie fliegen hin, sie fliegen her
Und sitzen da, als ob nichts wär.

Wohl ein Aprilscherz der Natur,
Den offnen Schnabel sehn sie nur,
Dort muss der lange Wurm hinein,
Mag’s noch so dumm und töricht sein.

©Wolfregen

Schritt für Schritt vom Licht betört

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Foto: ©Constanze

~ Krokus ~

Hingestreut auf Weg und Wiesen
singt er flüchtig zart sein Lied,
Küsse üppiger nie sprießen,
was der Winter starr vermied.

Und ins Blau verliern sich Säume
grauer Erde, blasser Bäume,
schmiegen still sich wie im Bann
zaghaft an das Neue an.

Doch, wer mag es noch verwehren,
Krokus leuchtet unverwandt,
legt ein Lächeln übers Land
und verschwendet sich in Meeren.

Schritt für Schritt vom Licht betört,
ewig kündend ein Erwecken,
das der ganzen Welt gehört,
wenn sich Schalen, Hände strecken!

©Constanze

Der Frühling naht

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Hans Andersen Brendekilde: Die ersten Anemonen (1889)

April und Mai und März

Es dauert nicht mehr allzu lang,
Bald ist es schon so weit,
Mit Blumen, hellem Vogelsang
Kommt schön die Frühlingszeit.

Die ersten Hecken zart erblühn
Im milden Sonnenlicht,
Den Wald durchzieht ein sanftes Grün,
April den Teppich flicht.

Lässt Knospen brechen, hört dabei
Des Kuckucks Doppelruf,
Und bis er naht, der holde Mai,
Sich eine Welt erschuf.

Erst aber webt der blasse März,
Der ist noch öd und grau,
Doch schlägt in ihm schon Frühjahrs Herz
Wie einer schwangren Frau.

©Wolfregen

Feuer, das ich in mir trage…

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Foto: ©Constanze

~ Vom Wind umspielt

Ich möchte leben, leben für die Liebe
und hegen selbst die kleinsten zarten Triebe,
lass mich der Wind in deinen Zweigen sein,
der sanft bewegt im milden Sonnenschein
und tanzt mit dir im lichten Blütenreigen;
du bist der Baum, der harrt im Winterschweigen,
doch Frühling naht, ist nicht mehr allzu weit,
und bald schon singst auch du auf schönste Weise,
wiegst rauschend dich durch goldne Sommerzeit
und flüsterst dir ins dichte Blattwerk leise,
bis in die letzte Faser, tiefsten Grund,
vom Glück und von der Schönheit grüner Tage –
das lässt mich strömen, atmen jede Stund
und ist das Feuer, das ich in mir trage…

©Constanze

Wenn die Sonne sinkt

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Adolf Kaufmann: Sonnenuntergang in Winterlandschaft (o.J.)

Ubi sol, ibi vita

Am Abend geht sie unter,
Die Sonne, jeden Tag,
Wir sehn’s und bleiben munter,
Dass ich mich wundernd frag:

Ich mag von dir nie scheiden
Und doch wird einer gehn,
Wer wird wohl von uns beiden
Am Grab des andern stehn?

Nur noch den Namen lesen
An einem kalten Stein,
Hinfort das liebe Wesen
Und in der Welt allein!

O dann erst sinkt die Sonne
Und zieht das Dunkel nach –
Verlorn des Lebens Wonne
Und alle Hoffnung brach…

©Wolfregen

Zu neuen Ufern…

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Foto: ©Constanze

~ Januargefühl IV ~

Ich weiß, dass diese Zeit im Januar
schon immer unwegsam und dürftig war,
nur in der Ferne irgendwo ein Streifen
von neuen Ufern, die ins Weite schweifen…

Dazwischen trocknes Erdwatt, Ackerzeichen,
Windböen malen im verwehten Schnee
auf Krumen Rinnsalmuster rauer See,
verwaiste Wiesen wogen ohnegleichen…

Da hilft nur Aufbruch, kleinsten Kiesel greifen,
mit Zuversicht die Segel setzen, reifen
an allem, was da brandet – Wellengang! – ,
denn Leben ist Bewegung, ist Gesang!

Verwandelt werden Schneekristalle Klang
mit jedem Schritt auf harten Eismeerpfaden
und – wie in Nächten feine Sternkaskaden –
ein Schimmerspiel mit leichtem Überschwang!

©Constanze

Und fällten den Heiligen Hain…

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Caspar David Friedrich: Der Abend (1821/22)

Heidenmission

Sie kamen „fromm“ aus Südosten,
Ein Licht? Sie brachten’s nicht mit,
Sie brachten Balken und Pfosten
Und freiem Denken den Schnitt;
Sie gingen bald über Leichen
Und fällten den Heiligen Hain,
Die Armen, die wurden „die Reichen“
Und knieten vor totem Gebein.

Sie lasen ihre Gesetze
Nicht aus der weisen Natur,
Verdrehten Bräuche und Plätze
Zur kranken Karikatur;
Sie bauten drüber Kapellen,
Lebendigem feindlich und taub,
Und in ihren finsteren Zellen
Sank Andacht zu Winseln im Staub.

Sie sprachen stets von der Liebe,
Doch schlichen lieblos und blass,
Ihr Diesseits: Schuldwahn und Hiebe,
Ihr Jenseits: Rache und Hass;
Sie haben alles vergiftet,
Welch Hölle in Schädel und Brust,
Ein Tempel, vom Satan gestiftet,
Wenn Trennen, Verbrennen die Lust…

©Wolfregen

Alles Gute zum neuen Jahr!

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Foto: ©Constanze

~ Januargarten ~ ♣

Mein Garten ruht, doch weiß er um die Kraft,
die tief im Innern, in den Herzensgründen
verborgen wurzelt, still ihr Tagwerk schafft,
um kleinsten Lichtstrahl neu an sich zu binden,
um neue Glut zu schüren, die entfacht
ein Feuerwerk an Farben, Duft und Blühn –
vielfältig wird der Frühling sich verkünden,
ausbreiten über Nacht,
und überall ein frisches, helles Grün
lockt jeden Vogel, um sein Lied zu finden.

Und wenn du achtsam bist, siehst du an Rinden,
an dürren Hecken und manch zarten Zweigen
sich rote Frucht bereits durchs Schneeweiß winden,
ein Beerenglühn, kostbarer Perlenreigen,
der leuchtet durch die öde, dunkle Zeit;
längst haben wir uns aufgemacht erneut,
doch gehn schon ewig unserm Ziel entgegen
und immer scheinbar weit,
nur, lichte Funken wehn durchs Dickicht heut
und sind wie Schimmer auf vereisten Wegen…

©Constanze

Venezianische Liebe

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Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski: Eine Bucht in der Nähe Venedigs (1842)

Die schöne Beatrice

Bernardos Kunst, der Gondelbau,
Venedig staunen ließ:
Er liebte eine schöne Frau,
Die Beatrice hieß;
Ihr wollte er bauen,
Der Schönsten der Frauen,
Zeigen, wie lieb er sie hat,
Die schönste Gondel der Stadt.

In seiner Werkstatt unbemerkt
Gedieh das schöne Boot,
Lackschwarz, mit edlem Holz verstärkt,
Im Innern rosenrot;
Ein Vorhang aus Spitze,
Gepolsterte Sitze,
Kissen aus strichweichem Samt,
Darauf ein Herz, das entflammt.

Er baute dran ein halbes Jahr,
Stieg sonntags noch hinab,
Und als die Gondel fertig war,
Schloss er die Werkstatt ab;
Wie herrlich die Planken,
Die Zacken und Ranken,
Kunstvoll das goldene Dach,
Ob Beatrice noch wach?

Die schönsten Kleider zog sie an,
Als sie die Gondel sah,
Ihr Name stand geschnitzt daran,
Sie war den Tränen nah;
Sich Träume bewahren,
Zum Lido zu fahren,
Liebevoll lud er sie ein
Vorm Haus im mondhellen Schein.

Die Nobili erzählten lang
Von jenem Jungfernzug
Und welchen goldnen Namensgang
Die schöne Gondel trug:
Sie sahen die Sterne
In greifbarer Ferne,
Stehend am nächtlichen Strand,
Warm unter ihnen der Sand.

©Wolfregen