Sie kann sich daran nicht erfreuen…

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Wilhelm Hasemann: Bauernhaus (ca. 1900)

Trauriger Frühling

Der Frühling ließ lang auf sich warten,
Weit später als unten im Tal
Entdeckt man hier Blümlein im Garten,
Die Bäume im Wald sind noch kahl.

Nun blüht es am Weg und auf Wiesen
Und Knospen sich öffnen am Strauch,
Es keimt und will überall sprießen
Und grün wird’s im Walde nun auch.

Sie kann sich daran nicht erfreuen,
So sehr sie es immer getan,
Das Leben selbst muss sie gereuen,
Sie liebt einen anderen Mann.

Den darf sie nicht haben, musst wählen
Den Reichen, der ihr nicht gefällt,
Im Winter zur Hochzeit sich quälen,
So scheint ihr nun Dasein und Welt.

Hier sitzt sie und wischt ihre Tränen
Und schaut in die Ferne hinaus,
Dort irgendwo ruht alles Sehnen,
Da sind wir am Ziel und zu Haus.

Vom Tale her läuten die Glocken,
Sie läuten mit lieblichem Klang,
Da weiß sie, ihr Auge wird trocken,
Es dauert ihr Leid nicht mehr lang.

Man hat sie schon bald drauf begraben,
Sie starb an gebrochenem Herz,
Die Blümlein, die stumm sie umgaben,
Die sprießen noch immer im März.

©Wolfregen

PS: Der Heimatdichter Heinrich Hansjakob beschrieb diese traurige und wahre Geschichte 1892 in seiner Erzählung „Der Vogt auf Mühlstein“.

Zum Tag der Poesie

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Angelika Kauffmann: Allegorie der Poesie und Musik (1782)

2013 bereits veröffentlicht, aber an dieser Stelle noch einmal
zu lesen, da es zum heutigen Tag so wunderbar passt:

~ Mein Zimmer: die Poesie…~

O Poesie, du bist der Sprache Krönung,
schmückst stille Seelenwinkel bunt und fein,
trägst Versjuwelen in den Schrein des Herzens,
wenn Geistesfunken neuen Glanz dir weihn.

Wie hast du dich dem Innern anverwandelt,
erlesner Raum, der eingeschrieben bleibt,
mit Sehnsuchtsblicken, schauerlich Entzücken,
hab ich mir deine Schönheit einverleibt.

Spiel auf zum Satz mit freudigem Ersinnen,
mach Bildersäle magisch, wunderweit,
der Silben Klangspiel ruft zu stetem Tanze,
im Oberstübchen ist das Wort befreit!

©Constanze

Ich bin allein…

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Edward Hopper: Nighthawks (1942)

Das Leuchten der großen Stadt

Ich stehe am Balkon
Dort, wo ich wohn,
Ich bin allein
Und will’s nicht sein.

Das Licht der großen Stadt,
Es macht nicht satt,
Es leuchtet nur
In Unnatur.

Es leuchtet jede Nacht.
Ein U-Bahn-Schacht
Verbindet die
Peripherie.

Die Vorstadt über ihm
Bleibt anonym,
Hat kein Gesicht,
Nur dieses Licht.

Ich starre nachts darauf,
Es löst mich auf,
Ich seh‘s unbrav
Auch noch im Schlaf.

Zu ihm kehr ich zurück
Mit müdem Blick,
Der Raum ist leer,
Mich gibt’s nicht mehr.

©Wolfregen

Am weißen Schloss hier oben…

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Auguste-Henry Berthoud: Junges Mädchen in Tracht in sommerlicher Voralpenlandschaft (vor 1887)

Frühlingsnachmittag

Es liegt ein zarter Schleier
Weit überm ganzen Land,
Als hätt geheim ein Feuer
Nur seinen Rauch gesandt.

Gleich einem Tropfen Tinte,
Der helles Wasser trübt
Und schimmerweich wie Seide
Das ferne Blau ergibt.

Man sieht die Berge ragen
Am breiten Horizont,
Die alle Schnee noch tragen
Vor goldnem Himmelsgrund.

Davor in blasser Ebne
Der junge Frühling keimt,
Der noch in schwachen Farben
Von seinem Blühen träumt.

Am weißen Schloss hier oben
Hat vor dem Turmgemach
Ein Täubchen sich erhoben
Und flattert übers Dach.

Wer mag gewohnt dort haben
In schöner, alter Zeit?
An warmen Frühlingstagen
Sieht man hier alpenweit.

Ich denk an die Prinzessin,
Die schön und unnahbar
In einem ernsten Märchen
Vom Fenster alles sah.

©Wolfregen

Und sieh den Schimmer zarten Grüns …

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Neu geboren ~

Neu bist du,
wenn du den Winter lassen kannst
– lass sein für dieses Jahr! –
und fühl den ersten wärm‘ren Strahl
der Sonne auf der Haut;
dann streu ein Lächeln aus,
das wie ein Same keimt im Erdenschoß
und Blüten sprießen lässt,
und sieh den Schimmer zarten Grüns,
das bald durch dunkle Gründe bricht
so wie die Freude in des anderen Gesicht,
gestreift von deinem sanften, lichten Blick,
der diesen Frühling wachsen lässt
durch grau verhangne Decken
und einkehrt in die Herzen,
um dich und mich
und schließlich alles
zu erwecken!

©Constanze

Ein kleines, gelbes Etwas…

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

Frühlingsbote

Ich trag es mit mir mit
Wie eine Feengabe,
Seit ich das schöne Bild
Im Wald gesehen habe.

Noch alles kahl und braun
Und tot und ohne Leben,
Die Sonne schien hindurch,
Da sah ich etwas schweben.

Ein kleines, gelbes Etwas,
Es gaukelte im Licht,
War ein Zitronenfalter
Und März war es noch nicht.

Am ersten warmen Tage
Schon war er zart erwacht,
O wüsst er, welche Freude
Er mir damit gemacht.

©Wolfregen

Zum Valentinstag!

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Kleine Gesten ~

Nie zärtlicher sind Lippen, wenn sie küssen
beim Abschied leise, wenn du winkst und gehst,
und leichter nie Gedanken um das Wissen,
dass du zurückkehrst, wieder vor mir stehst.

Dein Augenblau ist Himmel mir und See,
verschmolzen tiefer Grund und lichte Weite,
es spiegelt mild ein Lächeln, löst das Weh
so mancher Daseinsschwere von der Seite.

Du sagst, dass du mich gern erblickst, berührst,
und deine Arme halten mich und tragen
so wie die Seele innig, ohne Fragen,
wenn du dich anschmiegst und zum Tanz verführst.

Die Wärme deiner Stimme lässt mich schwingen
und dein Geruch im Haar und in den Dingen,
mit sanfter Hand berührt von dir, erfasst,
entfaltet Leben in mir ohne Hast.

Es sind die kleinen Gesten, die gedeihn,
die blühn im Herzen, alle Tage weihn,
mit Rosenworten möcht ich daran denken,
ihr Duft soll dich umfließen und beschenken!

©Constanze

Von ew’ger Schönheit, die den Himmel sieht…

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Winterwald, heilig ~

Die Tannen stemmen düster sich und schweigen
mit schmalen, klammen Fingern wolkenwärts,
ein kalter Atem fließt ins bange Herz
aus tiefer Einsamkeit und Stille,
durchbrochen scheint der Daseinswille
wie jener Korpus, den vereint sie zeigen.

Doch dann bewegt sich was im Wipfelreigen,
ein sanftes Rauschen, engelfein und leicht,
schneeweißer Flügel, federzart gebleicht,
die immerzu sich lüften, falten
und Glieder fest zusammenhalten,
leis im Gebet andächtig Hände neigen.

Und Winterwald singt heilig licht sein Lied
von ew’ger Schönheit, die den Himmel sieht,
wölbt seine Kuppel bergend über jeden
und stäubt Kristalle hin wie Blütensegen
auf Pfade der Vergänglichkeiten,
die dennoch sich in Liebe weiten…

©Constanze

„Reserviert“

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Foto: Eweht, Quelle: commons.wikipedia.org

Foto: ©Eweht, Quelle: commons.wikimedia.org

Eine neue Unart

In Freiburg, im Stadtteil Wiehre,
Da wollten wir essen gehn,
Es war noch recht früh am Abend,
Was sollte da groß geschehn?

Wir waren die ersten Gäste
Und waren doch irritiert:
Wohin wir auch sahen, lag schon
Das Täfelchen „Reserviert“!

Zwei Tische nur waren übrig,
Die standen verlorn im Raum,
Wir wollten so schlecht nicht sitzen,
Da schmeckt ja das Essen kaum.

Wann kommen denn all die Gäste?
Wir bleiben nicht allzu lang;
Sie ging in der Küche fragen,
Kam wieder im Girlie-Gang.

Die junge Bedienung sagte
Mit dämlichem Sorry-Blick,
Dass leider die Zeit nicht reiche…
Das war doch bestimmt ein Trick?!

Beim nächsten Mal reservieren,
Empfahl sie mit Zuversicht;
Nein danke! Wir gehen wieder,
Ein nächstes Mal gibt es nicht!

©Wolfregen

PS: Das Bild oben zeigt nicht die im Text beschriebene Gaststätte.

Ein Leuchten…

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Foto: Constanze

Foto: ©Constanze

~ Januargefühl  (II) ~

Das Jahr ist um, ich malte es mir bunt,
das Winterweiß der kargen, kalten Tage,
und hielt die Strahlen einer goldnen Stund
wie ein Geschenk, ein Lächeln ohne Klage.

Dann endlich flog der Frühling übers Land,
ein lichter Vogel, der mein Herz mir band
an alle blauen Himmel, grünen Räume,
er sang ein Sommerlied in meine Träume.

Und Sommer kam und mit ihm seidne Rosen,
purpurner Klang und Duft und Sinnlichsein,
ihm wollte ich das volle Leben weihn
und trug in Händen erste Herbstzeitlosen.

Entblättert fiel mir alles welk zu Boden,
doch blieb ein Leuchten auf dem müden Grund
und Januar singt neue Sehnsuchtsoden
mit zarten Hoffnungsblüten im Verbund.

©Constanze

~ Januargefühl (I) ~ siehe hier: https://wolfregensconstanze.wordpress.com/2016/01/19/der-schnee-fiel-wie-ein-schleier/