Über die Felder weit…

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Foto: ©Wolfregen

~ Ein Licht ist angegangen! ~

Den Weg bin ich gegangen
über die Felder weit,
mit Schnee und Eis verhangen
ruht Land im Winterkleid.

In dieser kalten Zeit
scheint alles still gefangen,
als warte es mit Bangen
aufs Ende, das befreit.

Doch was auch Kraft verleiht
und nährt tief das Verlangen
nach Einkehr unbefangen,
ist Hoffnung im Geleit.

Und sei es noch so weit,
ein Licht ist angegangen
im Haus der Einsamkeit
und Himmel sternbehangen.

Als ob die Engel sangen
und in dein Herz dir drangen –
es lebt und wärmt im Leid
ein Strahl in Dunkelheit!

©Constanze

Ein Trost bleibt mir im Herzen…

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Kantate

Wie ist der Tod voll Bitternis,
Voll Kummer, Not und Schmerzen,
Und ist der Weg auch ungewiss:
Ein Trost bleibt mir im Herzen.
*
Und reißt er heut das Band entzwei,
Das hier uns fest verbunden,
Dein Engel eilt ans Grab herbei
Und heilt mir sanft die Wunden.

Schon morgen werd ich bei dir stehn,
Du wirst mich dort empfangen:
Wohin wir mit Vertrauen sehn,
Bist du vorausgegangen.
*
Nun steh ich hier am Grab allein
Und weine bittre Zähren
Und jede möcht ein Tropfen sein,
Das Hoffnungsbild zu nähren.

©Wolfregen

PS: Die ergreifend schöne Bach-Kantate inspirierte mich dazu, einmal selbst einige Strophen zu schreiben, die sich als Kantatentext eignen würden; jetzt fehlt nur noch der Meister, sie zu vertonen…

Das große Sterben ist nah…

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Edgar Bundy: Death as general rides a horse on a battlefield (1911)

Ode an den Tod

Die Todesboten, die Krähen,
Die könnt ihr schon überall sehen,
Auf Mauern und Dächern sitzen sie da,
Das große Sterben ist nah!

Der Hunger trieb sie aus Wäldern,
Sie kommen von nebligen Feldern
In trostloser Landschaft, herbstlich und kahl,
Sie hoffen hier auf ein Mahl.

Der Marktplatz aber, die Gassen,
Die liegen genauso verlassen,
Auch fließt in den Brunnen, trocken und leer,
Schon lang kein Trinkwasser mehr.

Nur welkes Laub und Journale,
Die finden sich grau in der Schale,
Fassaden ringsum, drei Stockwerke hoch,
Dahinter Schatten dann doch.

Die schleichen heimlich an Fenstern
Und gleichen wohl eher Gespenstern
Als Lebenden, Hüllen sind sie ja bloß,
Die Angst ist lähmend und groß.

In dunkle Spiegel zu blicken,
Die Flammen der Kerzen ersticken
Im alten, ganz leergeplünderten Haus,
Das macht den schwarzen Gast aus.

Zum Friedhof trägt man die Toten,
Selbst dorthin gelangen die Boten
Und hüpfen auf Gräbern, erdig und frisch,
Denn reich gedeckt war der Tisch.

Der Tod schickt Tausende Krähen,
Ihr könnt sie jetzt überall sehen,
Wie steinerne Wächter sitzen sie da,
Das große Sterben ist nah!

©Wolfregen

Die Nacht kommt früh…

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Alois Kalvoda: Birken (1904)

Besinnung und Einkehr

Die dunkle Zeit hebt an – und wie!
Mit Wind und Blätterfall,
Gerechter Hirte, bring dein Vieh
Nach Hause in den Stall!

Der Regen peitscht, sein nasses Kleid
Wirft er auf Flur und Wald,
Die leeren Äcker ziehn sich weit
Und draußen wird es kalt.

Die Nacht kommt früh und zündet stumm
Die ersten Kerzen an,
Wer auf dem Marktplatz steht, kehrt um
Und tut auch gut daran.

Wie goldne Münzen liegen glatt
Die Birkenblätter da,
Dein Kopfsteinpflaster, alte Stadt,
Ging mir noch nie so nah.

Wie wertvoll sind ein guter Tisch
Und eine Stube hell,
Wenn’s unwirtlich und regnerisch –
Die Wärme schwindet schnell…

©Wolfregen

Das ist das Traurige in der Welt…

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Richard von Hagn: Margaretenmühle vor Husum (1930)

Am blauen Stein

Hinter den Feldern am blauen Stein
Singt ein Vogel im stillen Hain:
Das ist das Traurige in der Welt,
Es löst sich das Blatt und fällt,
Doch das ist das Gute daran,
Es hängt sich woanders an.

Nimmt es der Wind aus den Ästen fort,
Treibt es einsam von Ort zu Ort,
Heimatlos, herbstlich, auf dunkler Spur
Dem Abend entgegen nur,
Doch über die Stoppeln hinweg
Strahlt leuchtend ein heller Fleck.

Dort in der Ferne glänzt Himmelslicht,
Wo der Kirchturm nach oben sticht,
Werden wir einmal zu Hause sein,
Ein Gotteswort lädt uns ein,
Die Sonne, sie weist uns den Pfad,
Ihr Zeiger dreht unser Rad.

Abschied von Freunden, die seelennah,
Traute Blicke, die nimmer da,
Liebende Herzen, die aufgehört
Zu schlagen, in Gram zerstört;
Ach, Ödland, wie wird mir hier kalt,
Das Jahr ist zu Ende bald!

Hinter den Feldern am blauen Stein
Singt mir einsam ein Vögelein:
Das ist das Traurige in der Welt,
Es löst sich das Blatt und fällt,
Doch das ist das Tröstliche dran,
Es hängt sich woanders an…

©Wolfregen

Und mancher Apfel rot erglüht in Tagen…

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Foto: ©Constanze

~ Herbstfeuer ~

Das Grün des Sommers reicht weit in den Herbst
und mancher Apfel rot erglüht in Tagen,
die grau durchwirkt die lichten Äste tragen;
und alles, was du mit dem Goldton gerbst,
das leuchtet funkengleich in dunkler Zeit,
sei ernsthaft stets und für den Tod bereit,
doch feire auch die späten, güldnen Stunden,
die lange Ernte eines kurzen Lebens,
das seinen Sinn in Dankbarkeit gefunden
für all dies Schöne, das Musik ist, stillt
ein tiefes Herz, und deshalb nicht vergebens,
auch wenn mit Wehmut vieles dich erfüllt,
weil scheinbar es verhallt und Heimstatt schwindet
in schwerer Brust, die atmend sich doch hebt
und weiter an den Schicksalstüchern webt;
du selbst bist es, der sich ans Dasein bindet
und nicht zu früh fällt wie das Obst, verkümmert,
obwohl das Grün noch bis zum Winter schimmert,
orange sich färbt und gelb und braun und müd
sich langsam dann aus Blättern schleicht und blüht
in einem letzten großen Tanz, der endet
und still der Erde seine Farben spendet…

©Constanze

Wenn ich weinen und träumen will…

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Reginald Barratt: View on the Grand Canal (ca. 1907)

Immer Venedig

Venedig, warum denn immer
Venedig nur, wenn ich weinen
Und träumen will?
Du bist wie ein schönes Zimmer,
In das mir Abende scheinen,
Golden und still.

Ein Bild aus barocken Zeiten,
Aus welchem Gondeln stumm gleiten,
Als wären sie
Schon immer traurig gefahren
Und Sehnsucht, vergilbt an Jahren,
Endete nie.

Venedig, Musik von weit her,
Wo selbst der Tod ein Gondolier
In Maske ist,
Vorbei an Kirchen und Brücken,
Kanäle, geheime Lücken
Sind sie der List.

Verführen mit ihren Liedern,
Das helle Mondlicht erwidern
An Fenstern dort,
Und wohnt auch niemand dahinter
Und schläft das Trugbild im Winter,
Träumt es doch fort…

©Wolfregen

Vom Dorf her hört man läuten…

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Foto: ©Wolfregen

Scheideweg

Zum Brünnlein hin, zur Quelle
Zieht mich es zum Gebet,
Zur stillen Waldkapelle,
Die dort verlassen steht.

Und kniend hell im Lichte
Fleht meine Seele trüb
Vor deinem Angesichte
Für sie, die mir so lieb.

Herr, lass sie mir gesunden,
Ohn Hoffnung liegt sie da,
Du hast ihn überwunden,
Nicht nenn ich ihn, der nah.

Vom Dorf her hört man läuten,
Zum Abend ist’s zu früh,
Das Glöcklein heißt uns scheiden,
Es trauert schon um sie!

So ist sie denn erlegen,
Umsonst der Weg hierher,
Zurück und ihr entgegen
Muss gehn ich doppeltschwer…

©Wolfregen

Toupet tut nicht weh!

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Foto: ©Thomas Schmidt, Quelle: commons.wikimedia.org

Tante Lotte erzählt vom Toupet

Mei Bruder, der Werner, hat schee ausg‘seh,
Ganz schwarze Haar hat er g’hett als junger Ma
Und immer gern a weiß Hemd dazu a
Und weil er im Sommer schnell braun worda ist,
Hen Ortsfremde, wenn se net weiterg’wisst,
Ihn au scho mal g’fragt, ob er denn Deutsch versteh.

Hervorragend, hat er g’sagt und hat dann g’lacht,
Sei Spitznama hat em nichts ausgemacht,
Doch als em dann früh scho die Haar ausganga,
Na musst er sich, glaub ich, erst mal fanga,
Zuerst hat er sich Schuhcreme ins Haar neig’schmiert,
Dann hat er’s mit einem Toupet probiert.

A richtigs hat er net kaufa wella,
Ma konnt damals so was au no net b’stella,
Sich g’schämt hätt er, denk i, han’s oft erlebt,
Na hat er, auf die Idee is er komma,
Sich heimlich an Pappadeckel g’nomma
Und von am Besa die schwarz Stoppel draufklebt.

Ma hat’s halt g’seh, lang hat er’s vor uns verhehlt,
Seim Dackele hen au mal Härla g’fehlt,
D‘Elfriede hat nur die Auga verboga,
Ei’mal is ems vom Kopf runterg’floga,
Schnell hat er’s verschrocka ins Zimmereck g‘kickt,
Na hem ern halt doch zum Haarmacher g‘schickt…

©Wolfregen

PS: Zum besseren Verständnis wieder einige Übersetzungsversuche ins Hochdeutsche:
„mei“=mein, „schee ausg‘seh“=schön ausgesehen, „g’hett“=gehabt, „Ma“=Mann, „a weiß Hemd“=ein weißes Hemd, „a“=an, „worda“=geworden, „hen“=haben, „se net weiterg’wisst“=sie nicht weitergewusst, „au scho mal g’fragt“=auch schon einmal gefragt, „g’sagt“=gesagt, „g’lacht“=gelacht, „sei Spitznama“=sein Spitzname, „em“=ihm, „ausganga“=ausgegangen, „na“=dann, „fanga“=fangen/beruhigen, „neig’schmiert“=hineingeschmiert, „a richtigs“=ein richtiges, „net kaufa wella“=nicht kaufen wollen, „ma“=man, „au no net b’stella“=auch noch nicht bestellen, „g’schämt“=geschämt, „denk i“=denke ich, „han’s“=habe es, „is er komma“=ist er gekommen, „an Pappadeckel g’nomma“=einen Pappendeckel genommen, „von am Besa“=von einem Besen, „ma hat’s halt g’seh“=man bemerkte es, „seim Dackele hen au mal Härla g’fehlt“=seinem Rauhaardackel schnitt er auch einmal einige Haare ab, „d‘Elfriede“=die Elfriede, „Auga verboga“=Augen verdreht, „ei’mal is ems vom Kopf runterg’floga“=einmal fiel ihm das selbstgebastelte Toupet vom Kopf herunter, „verschrocka“=erschrocken, „g‘kickt“=gekickt, „na hem ern halt doch“=dann haben wir ihn (schweren Herzens) doch, „g‘schickt“=geschickt

Ein sanftes Wiegen, Flüstern…

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~ Mediterranes Brunnenlied ~

Wenn ich dem Brunnen lausch, fühl ich das Meer,
ein sanftes Wiegen, Flüstern in den Weiten,
tief sich ergießt und strömt endlos in mir,
azurgetränkt ziehn Himmel, Flut und Zeiten;
Gedanken rauschen müde, wehmutsschwer,
doch leicht zugleich wie eine Sommerbrise,
der Südwind sachte trägt und lässt dich hier
im Wogen einer warmen, bunten Wiese
blaublumig tanzend in die Ferne schweifen;
und wie ein lichter Vogel nur im Wind
entfaltet sich dein Hemd gleich einem Segel
und flattert leis wie beim verspielten Kind,
das alles lüftet sorglos ohne Regel,
um froh und nah das Leben zu begreifen –
tauch ein ins kühle Nass die durst’ge Hand
und lausch dem Lied am alten Brunnenrand!

©Constanze