Bald ist es Herbst…

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Foto:©lzc 029538 / pixabay.com

~ Ein Hauch von Sommer ~

Bald ist es Herbst und Nebel atmet klamm
die späte Blume auf den Fluren an,
nur einmal noch möcht ich vom Sommer schreiben,
ein kleiner Hauch wird immer von ihm bleiben,
ein Funke Licht im Blattwerk, in der Hand
entfacht in kalten Nächten einen Brand,
der wärmt an Herz und Seele karge Tage
und Sehnsuchtsblicke lesen ohne Frage
die Knospen himmelwärts und blaue Weiten
aus allen Strophen der verblassten Zeiten;
das Meer in mir hat seine Spur gefunden,
ich seh mich an im Spiegel dieser Stunden
und Südwind säuselt sacht im Winterohr
sein altes Lied ins Flechtwerk dunkler Zweige;
Erinnerung bringt alles neu zum Blühn
und hoffnungsfroh ein frisches Frühlingsgrün
berührt, verströmt den Duft von zartem Flor
und letztes Grau geht irgendwann zur Neige…

©Constanze

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Er geht ihn langsam und allein…

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Foto: ©Wolfregen

Der alte Mann am Weg

Den Feldweg bis zum Obstbaumhag,
Den geht er jeden Nachmittag,
Er geht ihn langsam und allein
Bei Wolken oder Sonnenschein,
Nur wenn es einmal stärker regnet,
Der alte Mann uns nicht begegnet.

Dort sitzt er gern und regt sich kaum,
Sitzt schweigend unterm Apfelbaum,
Der Nachbar reicht ein Gläschen Most,
Ein Apfel ist die magre Kost,
Erhebt dann seine schwachen Glieder
Und kommt am nächsten Tage wieder.

Die Felder links und rechts sind leer,
Er kommt auch gern im Herbst hierher,
Das weite Land ist traumhaft schön,
Doch weiter kann er nicht mehr gehn,
Es reicht nur noch zum Nachbarhofe,
Dort lauscht er einer Kinderstrophe.

Und wieder glänzt ein schöner Tag,
Wo er wohl heute bleiben mag?
Auch morgen nicht und tags darauf,
Da leuchtet’s in der Ferne auf:
Er ist nun doch dorthin gegangen,
Wohin er immer wollt gelangen…

©Wolfregen

 

Am Abend durch ein altes Städtchen…

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Foto: ©Wolfregen

Die gute alte Zeit

Es gab sie nie: „die gute alte Zeit“,
Doch manchmal, wenn wir Hand in Hand zu zweit
Am Abend durch ein altes Städtchen schlendern,
Da möcht ich’s glauben und die Meinung ändern.

Am Marktplatz sitzen, wenn der Lärm sich legt,
Zum Torturm blicken, wenn die Glocke schlägt,
Den Brunnen rauschen hörn, den Hände gruben,
Und Lichter angehn sehn in guten Stuben.

Dann denken wir uns Müll und Autos weg,
Sehn keine Werbung mehr am Ladeneck;
Die wenigen, die noch vorübergehen,
Die können wir in alten Kleidern sehen.

Im alten Gasthaus sitzt kein Fremder mehr,
Nur warmes Licht brennt und der Raum ist leer,
Der Wirt tritt auf die Straße, wischt noch Tische,
Ist alles dunkel jetzt in kühler Frische.

Es gibt sie doch, die gute alte Zeit,
Hier scheint sie auf und leuchtet wie von weit,
Bald deutlicher, bald schattenhaft als Schemen,
Die schönen Bilder kann uns niemand nehmen…

©Wolfregen

So hell an dunklen Tagen…

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Ma Yuan (1160-1225): Weiße Rosen

Der Rosenstrauch

Im Winter wächst kein Rosenstrauch,
Der Herbst treibt keine Blüten,
Das dacht und glaubt ich lange auch,
Muss mich vor Irrtum hüten.

Hier steht sehr wohl ein Strauch und blüht
Mit Rosen, nicht Holundern,
Wird eh bald sterben, war verfrüht –
Ihr werdet euch noch wundern!

Es schien kein Sonnenlicht herab,
Er wuchs dadurch nicht schiefer
Und gräbt man ihm das Wasser ab,
Die Wurzeln reichen tiefer.

Was muss das für ein Herbststrauch sein,
So hell an dunklen Tagen?!
Es ist ein Rest vom Heil‘gen Hain,
Den wir im Innern tragen…

©Wolfregen

Mit dir geht der Sommer dahin…

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Foto: ©Constanze

~ Spätsommerfalter ~

Mit dir geht der Sommer dahin,
hat nichts als das Fliehen im Sinn
und sagt allen leise Adieu,
vom einen zum andern mit Weh;
du streifst sacht die seidenen Blüten,
um augenblicksgleich dich zu heben,
ein Flattern, Umspielen und Schweben,
als wollt es vor Stillstand behüten,
bewegendes, flüchtiges Sein;
doch Fülle kehrt nicht mehr ein,
nichts singt mehr befruchtende Lieder,
müd liegen die Blumen darnieder
im blutleeren, brütenden Kleid
der regen- und reglosen Zeit,
kein Flügel mag leicht licht sich weiten,
um freudigen Schwung zu bereiten,
er bleibt nur verkümmert im Sinn –
mit dir geht der Sommer dahin…

©Constanze

Auf dem Roßberg

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Foto: ©Wolfregen

Im Friedwald bei Schenkenzell

Dort oben ist alles ganz still,
Dort oben geht niemand mehr,
Der Frühling kommt spät im April,
Die Stille bleibt ringsumher.

Nur Schatten und Bäume, vielleicht ein Hauch,
Ein einzelnes Blatt fällt vom dunklen Strauch,
Bleibt liegen im Moose, auf kühlem Stein,
Die Sonne scheint traurig in Wald hinein.

Er tritt hier ganz nahe an uns heran,
Sein „endgültig“ fasst uns mit Schaudern an,
Der Himmel verdunkelt im Abendrot,
Der groß vor uns stehet: das ist der Tod.

Ist alles still, geht niemand mehr,
Der Weg führt hinaus aufs Feld,
Noch stiller wird es ringsumher,
Als schwiege die ganze Welt…

©Wolfregen

Du kennst dies Land…

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Foto: ©Constanze

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht –
Kennst du es wohl?
                                  Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!“

(Aus: „Mignon“ von Johann Wolfgang von Goethe)

 

~ Sommersehnsuchtsland ~

Du kennst dies Land, das Glücklichen erblüht,
dort reicht der Sommer seine reifen Früchte,
rotgoldne Apfelsine, die da glüht,
und die Limone duftet süß im Lichte,
nur leichte Säure, keine bittre Spur,
durchzieht das Mark der zitrusgelben Tage,
entfacht das Feuer brandender Gestade,
das Meer in uns, ein Wogen der Natur –
dahin, dahin…vom Süden singt das Kind,
ich streu dir, o Geliebter, weiße Blüten
der Myrte in den Himmel, in den Wind
und Kränze voller Lorbeer dich behüten;
nie müde werd ich, trag es in den Garten,
das Immergrün und Wasser an den harten,
fast toten, trocknen Boden, der da liegt
und dürstet nach der Flut verflossner Zeiten,
ein Bett im Paradies möcht ich bereiten,
das uns in Liebe und in Schönheit wiegt!

©Constanze

Jeden Freitag ist das so…

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Zwölf Uhr mittags

Amtsrat Igler kommt nach Haus,
So wie er’s immer tut:
Mit unbändiger Wut,
Sein Chef, man sollt ihm eine langen,
Ist wieder vor 12 Uhr gegangen!
Sein dicker Kopf, der ist ganz rot,
Die kleinen Augen voller Schrot
Und Frau und Kinder, Katz und Maus,
Die baden nun den Ärger aus,
Er kann kaum reden, kann kaum schnaufen,
Das Wochenende ist gelaufen.

Jeden Freitag ist das so,
Kein Chef mehr im Büro,
Er fühlt sich ausgenutzt –
Ein Glück, dass abends Western kommen,
Im Sessel hat er Platz genommen,
Denn wie James Stewart und John Wayne
Für Sauberkeit und Ordnung stehn,
Gehört der Schlendrian gestutzt,
Dafür er auch die Brille putzt,
Ihn darf, wenn’s losgeht, niemand stören,
Er will die Helden sehen, hören.

Cowboystiefel hat er schon,
Jetzt fehlt nur noch der Hut,
Ein Sheriffstern wär gut,
Dann könnt er die Banditen stellen
In bleigeschwängerten Duellen!
Im Bücherschrank, da steht Karl May,
Er sammelt ihn und denkt, er sei
Vielleicht sein Ur-Ur-Enkelsohn,
Sein Chef, der schmier‘ge Ölbaron,
Soll sich vor neuer Bosheit hüten,
Old Igler lässt sich das nicht bieten.

Freitags fährt der mit der Bahn
Und kommt um 12 Uhr an,
Wenn das kein Zeichen ist!
Wie Gary Cooper, übt’s im Garten,
Will er ihn breitbeinig erwarten
Zum großen Showdown hier im Ort,
Dodge City heißt das Losungswort,
Die Straßen sieht er, leer und trist,
Ein Lonely Fighter nichts vergisst:
Noch eine Woche Druck im Magen,
Dann will er ihm die Meinung sagen.

Urlaub hat er bis dahin,
Bereitet sich drauf vor,
Schläft mit dem Colt am Ohr.
Dann ist’s so weit, er geht entschlossen,
Im Geist hat er ihn längst erschossen,
Der Zug fährt ein, es ist High Noon,
Gestrüpp rollt staubig vorm Saloon,
Der Zug hält an, die Luft wird dünn –
Kein Chef steigt aus, der sitzt nicht drin!
Am Montag hört er: bis um sieben
Sei dieser noch im Haus geblieben…

©Wolfregen

Das Leben erliegt…

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Foto: ©Luisontiveros, Quelle: commons.wikimedia.org

Die große Dürre

Die Hitze ist groß und das Land ist weit
Und der Sommer hat Zeit.
So weit das Auge reicht,
Ist alles erbleicht
Und die Sonne schleicht…

Sie zieht den Pflanzen die Kleider aus,
Saugt ihre Farben heraus,
Sind viele hinüber;
Der bleierne Himmel darüber
Sieht furchtbar aus.

Die Quellen und Bäche sind ganz versiegt
Und das Leben erliegt.
Nur Käfer krabbeln noch
Ins staubige Loch
Und vertrocknen doch.

Die Distel schneidet mit bloßem Blick,
Ihr Silber stößt mich zurück
Wie Prunk eines Fürsten;
Die Sterblichen aber, sie dürsten
An einem Stück.

Der Boden bricht auf und die Frucht verdürrt,
Ein sterbendes Pferd durch die Landschaft irrt;
Man möchte sich setzen und weinen,
Doch Regen ergibt das noch keinen.

Dann in der Nacht, schlaflos seit Wochen,
Um vier Uhr ist der Fluch gebrochen:
Ein Blitz, laut donnernd, fährt herab
Und Regen löst die Dürre ab;
Was atmet, hört es mit Behagen,
Das Prasseln und das Wetterschlagen,
Möcht, wenn es könnt, jetzt danke sagen…

©Wolfregen

Ein Meer von ewigem Erblühn…

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Foto: ©Constanze

~ O Sommersein! ~

Die Sommerwiesen lichter Kindertage
sind wie ein Meer von ewigem Erblühn,
mit weißen Wolken, die darüberziehn,
und grünen Dolden, die dich sanft umwiegen
und leicht berührn dein träumendes Gesicht,
durch Gräser, Halme funkelt Sonnenlicht
aus blauen Himmeln ohne Weh und Klage;
ganz Sommer bist du nun – o Sommersein! – ,
ins dufterfüllte warme Grasbett schmiegen,
der ganzen Welt ein stilles Lauschen weihn
und zusehn, wie die Schmetterlinge fliegen,
unendlich dehnt der Tag sich im Verliegen…
und Mücken spielen müd im Dämmerschein,
bis irgendwann dein buntes Bild verglüht
und Ahnung von der großen Nacht aufzieht
– da fühlst du plötzlich schweres Erdensein.

©Constanze