Die Wolken aber drohen Ungemach…

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Foto: ©unbekannt, Quelle: commons.wikimedia.org

Der Sturm

Ein Vorgartenidyll der Skalenstärke
„Unfassbar kitschig, aber wunderschön“:
Schneewittchen, Bambi und die sieben Zwerge,
Die vor Kleinschwanstein eng im Halbkreis stehn.

Gemäht wird wöchentlich der kurze Rasen,
Kein Hälmchen wage sich hervor zu weit!
Wie ordentlich sie Laub und Zweiglein lasen –
Verbildlichter Triumph der Spießigkeit.

Die Wolken aber drohen Ungemach,
Ganz furchtbar dunkel wird es von Südwesten,
Es stürmt und regnet schon und lässt nicht nach,
Es sieht nicht gut aus für den Schlaf, den festen!

Die kitschig heile Welt, die spült es weg
Zu einem nassen, schwarz verschlammten Haufen,
Das feige Jammern hat doch keinen Zweck,
Das schöne Wetter könnt ihr euch nicht kaufen…

©Wolfregen

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Dat du min Leevsten büst…

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Heute kein neues Gedicht aus unserer Feder, sondern zur Abwechslung einmal ein Hinweis auf drei Musiker, die es ganz wunderbar verstehen, dem alten poetischen Liedgut mit Seele neues Leben einzuhauchen…

Darauf aufmerksam wurde ich übrigens auf der Präsenz von Arabella: https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2017/08/20/das-lied-zum-tag-377/

Herzlichst Constanze

Es wusste niemand, was er litt…

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Foto: ©Wolfregen

Späte Berufung

Vorzeiten, da noch Gott im Land,
Hoch überm See ein Kloster stand,
Hieß Schauenberg mit Namen;
Äbtissin Resa lebte da
Mit einer kleinen Nonnenschar
Und sang ihr frommes Amen.

Legende oder wirklich wahr?
Besuch erhielt sie jedes Jahr
Von einem treuen Ritter;
Gut möglich, dass er barfuß ging,
Mit warmem Herzen an ihr hing,
Das wund von Kreuzes Splitter.

Es wusste niemand, was er litt,
Stets brachte er ihr Gaben mit,
So war es zwanzig Jahre;
Nie wechselten sie Worte viel
Und doch war Liebe mit im Spiel,
Beseelte, wunderbare.

An einem Abend wurd es kalt
Und dunkel war schon rings der Wald,
Da bat sie ihn zu bleiben;
Die Kerzen brannten schön und lang
Und als sie in der Krypta sang,
Schlug Nachtwind an die Scheiben.

Er ziehe fort ins ferne Land,
Mit Wehmut hatte er’s bekannt
Und ihr bei Tisch gesaget;
Sie sah ihn an mit wehem Blick,
Den gab er wehevoll zurück,
Als hätt sie ihn gefraget.

Schon weit nach zwölf war’s sicherlich,
Als er in ihre Kammer schlich,
Kein Laut mehr, der sie störte;
Die Decke hob sie rasch und gern,
Er stieg zu ihr, zu seinem Stern,
Den er so lang verehrte…

Am frühen Morgen ritt er fort,
Die schöne Sonne aufging dort,
Die sich ins Herz ihm legte;
Zum Schauenberg, noch blass und stumm,
Ein letztes Mal dreht er sich um:
Bewahr, was uns bewegte!

©Wolfregen

Noch einmal Sommer!

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Foto: ©Wolfregen

„…doch nimmer vergeß ich dich,
So fern ich wandre, schöner Main! und
Deine Gestade, die vielbeglückten…“

(Aus: „Der Main“ von Friedrich Hölderlin)

 

~ Spätsommerabend am Main ~

Noch einmal Sonne, eh sie uns versiegt
und kalter Nebel überm Wasser liegt,
noch einmal selig, sorglos glücklich sein
im goldnen Licht, im Sommerabendschein!

Und Schwäne tauchen leise, trunken ein
im heil’gen Strom der singenden Gestade,
wie sie bedächtig sich den Wellen weihn
und anvertraun dem reinigenden Bade.

Sie wissen um entrückte, dunkle Seiten,
die nahe sind den tiefen Gründen,
in denen sie die Nahrung finden,
um ganz im Fluss des Daseins hinzugleiten.

O Main, du kannst mir meine Seele weiten,
ich seh hinab und blick in einen Spiegel
von Ewigem in einem großen Tiegel,
in diesen Fluten, die mir Glück bereiten.

So geb ich mich ans Fließen deiner Tage,
gieß wie aus einer Quelle ohne Klage
Erinnerung und Sehnsucht in mich ein –
und nächstes Jahr wird’s wieder Sommer sein!

©Constanze

300 Jahre Prinz Eugen

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Jacob van Schuppen: Prinz Eugen von Savoyen (1718)

Zwei Strophen mehr

Prinz Eugen, dies dürft ihr glauben,
Würd im Grabe heut verstauben,
Keiner wüsst’s und kennt ihn mehr,
Niemand säng ihm Vers und Lieder,
Wenn er damals feig und bieder,
Nicht voll Mut gewesen wär.

Doch er nahm in dem Momente,
Da der Feind schon glaubt die Wende,
Selbst den Säbel in die Hand,
An der Spitze seiner Reiter
Gab er Mut dem letzten Streiter
Und der Feind ward überrannt.

©Wolfregen

 

Hier lebt der Geist von allem zärtlich Schönen…

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Friedrich Nerly: Das Markusbecken und Santa Maria della Salute (1855)

Venedig, ein Traum

Ach, schlief ich doch in einer solchen Nacht
Vom Mond betört zwei schöne Stunden ein,
Um drei Jahrhunderte zuvor erwacht
In dieser engelgleichen Stadt zu sein,
Aus einer Gondel steigend statt dem Bette
Und um mich her Venedigs Silhouette.

Gemäldefirnis liegt wie Gold darauf:
Vivaldis schönstes Lautenstück erklingt,
Zu halbgeschlossnen Fenstern seh ich auf
Und hör, wie eine Stimme dazu singt…
Der Mond scheint auf den Platz mit der Zisterne
Und schwach nur leuchten neben ihm die Sterne.

Wie wird mir weh ums Herz bei diesen Tönen,
Hier lebt der Geist von allem zärtlich Schönen!
Der nächtge Schatten steht vor Ehrfurcht still
Und stumm herniederblicken die Fassaden,
So sehr mich Domes Kuppel drücken will,
Vorüberhuschen plötzlich Maskeraden.

Goldoni zeigt sein neustes Possenstück,
Die ernste Stadt verlernte nie ihr Lachen,
Commedia dell’arte ist zurück,
Was mag der Arlecchino heute machen?
In die Lagune weht ein leichter Wind,
Lasst schauen, wo die großen Schiffe sind.

Die kehren siegreich oder gar nicht wieder,
In Opernhäusern singt man Jubellieder,
Erfochten aber wird das Gut auf See;
Der Doge, wenn er sich mit ihr vermählt,
Den Ring ins Wasser wirft – seit eh und je
Zu einem der drei großen Feste zählt.

An Canaletto lieb ich die Veduten,
Er malte Häuser, keine kleinen Putten,
Der Canal Grande änderte sich kaum;
Die Menschen aber sahn viel schöner aus,
Barocke Kleider tragen sie im Traum
Und Anmut wohnt in jedem bessren Haus.

O endete der süße Trug doch nie,
Wie märchenhaft verwandelt schreiten sie…
Beseelter, süßer wird hier ein Verlangen,
Der Liebe weiß ich keinen gleichen Ort,
Geheimnis knüpft sich an die bunten Stangen
Und jede Gondel trägt die Sehnsucht fort.

Nur in Venedig scheinen Traum und Leben
Wie Liebende traut Arm in Arm zu gehn,
Die Tauben flattern auf, dem Glück ergeben,
Und selbst das Sterben wirkt noch einzigschön;
Mit welcher Wehmut blickt die weiche Seele
Zur nahen Friedhofsinsel San Michele.

©Wolfregen

Dieses unendliche Rauschen…

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Foto: ©Constanze

~ Meergefühl ~

In stillen Stunden bin ich oft am Meer,
dann wird ein Wort Gesang und flutgetragen,
hinweg ein Schweigen aus verflossnen Tagen,
feintönig flüstert Gischt und sehnsuchtsschwer
tiefblaue Ströme in den Wind,
die ew’ges Lied und Atem sind
an Dünen und benetzten Küsten –
ach, wenn wir doch um alles wüssten,
das dieses Rauschen in sich trägt…
schmeck jeden Klangkristall auf deiner Haut
und jede Süße, die dir Burgen baut
aus klarem Silbensand am Wellenstrande,
o fühl die Brandung zarter Lippenbande,
die sich in Herz und Seele legt!

©Constanze

Dort, wo die blauen Berge sind…

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Foto: ©Wolfregen

Die blauen Berge

Ihr fernen Berge, blau und weich,
Als kleines Kind schon sah ich euch
Verträumt auf meinen Wegen
Und glaubte, zeigtet ihr euch dort
Und war’s nur wenig weg vom Ort,
Weit ging ich euch entgegen.

Ihr wart in meiner Kinderwelt
Und später, wenn sich Ernst gesellt,
In eurem sanften Schimmer,
Was Herzens Saiten auch erfasst
Und seinem Leide angepasst,
Mir Trost und Hoffnung immer.

Ihr saht mein Reifen und mein Glück,
Zu euch kehrt ich bewegt zurück
Und zeigte euch der Lieben;
Sie ging dahin, ging allzu bald,
Ich seh ihr nach und werde alt,
Nur ihr seid mir geblieben…

Dort, wo die blauen Berge sind,
Wohin ich wollte schon als Kind,
Werd ich dich wiederfinden,
Wo sich der schönste Berg erhebt,
Gewiss auch deine Seele lebt,
Wird ewig alles münden.

©Wolfregen

Winde den Kranz!

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Foto: ©Constanze

„Wie eine Julinacht will unser Leben
Traumbeladen seinen Reigen vollenden,
Träumen und heißen Erntefesten ergeben,
Kränze von Ähren und rotem Mohn in den Händen.“

(Aus: „Julikinder“ von Hermann Hesse)

 

~ Von Ähren und Träumen…~

Schon immer hielt ich gern Mohn in den Händen
und liebte dieses so leichte Verschwenden
von flackernder Glut, die dem Wind sich ergibt,
Erfüllung, die stets an ein Enden sich schmiegt.

Vielleicht liegt‘s daran, dass im Winter ich kam
mit erstem Erblühen, an Sehnsucht gebunden,
geboren in zaghaften, dürftigen Stunden,
ein Fühlen, das niemals die Schwere mir nahm.

Und dennoch getragen von milderen Lüften
des nahenden Frühlings mit all seinen Düften
vom Veilchen zartblau bis zum weißen Jasmin
und Blüten tiefrot, die dem Juli entfliehn…

Fliehn in den Feldern, nichts bleibt in der Hand –
winde den Kranz aus Ähren und Träumen,
nimmer wirst du die Ernte versäumen,
wenn du sie hinstreust aufs sterbende Land…

©Constanze

Nichts bleibt, nur Gerippe…

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Foto: Beinhaus, Haslach an der Mühl, Oberösterreich, ©Wolfregen

Memento mori II

Wenig Orte nur noch sind,
Die ein Beinhaus haben,
Gottesäcker wurden blind –
Man wird halt begraben…

Hier dagegen tritt der Tod
Uns mit Wucht entgegen,
Jeder isst sein bittres Brot,
Muss sich zu ihm legen.

Sichtbar wird der derbe Schluss
Und das nahe Ende,
Kalt berührt von seinem Kuss,
Frieren Herz und Hände.

Schädel, Knochen, ihr Geruch,
Nichts bleibt, nur Gerippe,
Keiner springt ihm, dummer Spruch,
Von der kalten Schippe.

Leise rinnt im Stundenglas
Sand- um Sandkorn weiter,
Wird erinnert, wer’s vergaß:
Rastlos jagt ein Reiter.

Eine Stille in dem Raum,
Sie ist nirgends größer,
Atmen wagt die Seele kaum –
Hilft ihr ein Erlöser?

©Wolfregen