Schönheit des Augenblicks

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Foto: ©Constanze

~ Kirschblüte ~

Mit frischen Knospen trägt sie sich zur Schau
an Wiesengrün und etwas Himmelblau
in einem Meer von zarten weißen Blüten,
entwachsen einem knorrigen Geäst,
als gäbe dieses seinen letzten Rest
von jenem, was es galt, in sich zu hüten.

Erwacht, traumtrunken gießt es sich ins Sein,
so ganz im Fluss des Lebens, klar und rein,
entblättert Herzen, Kronen in die Breiten
und schickt ein lichtes Lächeln in die Weiten,
leicht duftumspielt – glückselig kurze Zeit! –
ein Windhauch trägt es in die Ewigkeit…

Nichts ist verloren, alles Anfang nur,
ein Aufbruch, Fallen, Hingehn der Natur,
stets ein Vorüberwehn schneeblütenbleich
und etwas Weiß verfängt sich dir in Haaren,
verliert sich in den Tiefen mild und weich…
– Glück lässt sich nur im Augenblick bewahren!

©Constanze

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Als die Nächte noch dunkel waren

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Paul Baum: Waldrand mit Vorfrühlingswiese (1893)

Tante Lotte erzählt von früher

Der Vater gefallen, die Mutter allein,
Vier Kinder, den Ältesten zog man noch ein…
Mit Staunen und Ehrfurcht sitzt man daneben,
Erzählt Tante Lotte aus ihrem Leben.

„Mit Mutter nach Freiburg g’fahrn, ins Lazarett,
Sei‘ Rücka ganz aufg’schossa, lag er im Bett,
Sind grade no rechtzeitig zu nem komma,
Da hat ihn der Herrgott scho zu sich g’nomma.“

Im Krieg dann auch nächtelang Fliegeralarm,
Von Bonlanden sah man den tödlichen Schwarm,
Der leuchtend auf Stuttgart niedergegangen,
’s Inferno hat grauslich schön angefangen…

„Der Krieg hat älle b’schissa,
Han viel erleba müssa,
Han selber d‘Witwenschaft g’schmeckt
Und zwoimal is‘ Geld verreckt.“

„Wollt mi nach Dachau bringa,
Weil keine Fahna hänga,
Nachts g’holt hen sen Vater mal,
Zwei Wocha Ung’wissheit, Qual.“

„Kaum dass die Heirat g’wesa,
Musst i die Nachricht lesa,
Koi Mann und koi Vater meh‘,
‘s tut immer no älles weh.“

‘Schnell raus aus dem Keller‘, stand immer offen,
Ein feindlicher Bomber, den d‘Flak getroffen,
Am Kirchturm vom brennenden Flügel gekürzt,
Wär beinah ins Haus, in die Roggagass g’stürzt.

‘Helf, helf‘ hend se laut im Haberschlai g’schria,
Mit Fallschirm‘ sind’s raus mit letztem Bemüha,
Das Heck hing am Nachbarhaus, grad vis-à-vis,
Ein Bordschütze drin no, vergiss i au nie.

Den hend’s an de‘ Füß dann die Trepp ra’zoga
Und jedes Mal hat er da‘ Kopf ang’schlaga,
Wo d’andre Pilota so schlimm g‘storba sind:
Die Muld am Wacholder ma heute no find‘t…

©Wolfregen

PS: was Lotte „mitmachen“ musste:
Tod des Vaters am 15.05.1940 in Freiburg, fünf Tage zuvor war er auf dem Kasernenplatz von Bordwaffen eigener Flugzeuge, die irrtümlich Freiburg angegriffen hatten, tödlich verwundet worden;
der Ortsgruppenleiter drohte mit Dachau, weil sie keine „Hitlerfahne“ am Haus aufhängen wollte (wörtlich: „hätt‘ grad Lust, di‘ nach Dachau zu bringa“), schon der Vater war einmal nach der „Machtübernahme“ für zwei Wochen verschleppt worden;
der Bruder wurde mit 17 Jahren eingezogen und geriet in Gefangenschaft, aus der er erst lange nach dem Krieg zurückkehrte;
Absturz eines kanadischen Bombenflugzeuges in der Nacht zum 25.07.1944 in Bonlanden, keiner der Insassen überlebte, zwei versuchten noch mit dem Fallschirm abzuspringen, verunglückten aber auf der nahen Wacholderheide (Haberschlai) tödlich;
ihr erster Mann fiel noch kurz vor Kriegsende im April 1945 bei Berlin

Wieder einige Übersetzungshilfen: „g’fahrn“=gefahren, „sei‘ Rücka ganz aufg’schossa“=den Rücken von oben bis unten aufgeschossen, „no“=noch, „zu nem komma“=zu ihm gekommen, „scho g’nomma“=schon genommen, „älle b’schissa“=alle betrogen, „han“=ich habe, „erleba müssa“=erleben müssen, „d‘Witwenschaft g’schmeckt“=Witwenschaft erleben müssen, „zwoimal is‘ Geld verreckt“=zweimal ist das Geld entwertet worden, „mi“=mich, „bringa“=bringen, „Fahna hänga“=Fahnen hängen, „g’holt hen sen mal“=einmal wurde er mitgenommen, „zwei Wocha Ung’wissheit“=zwei Wochen lang Ungewissheit, „g’wesa“=gewesen, „lesa“=lesen, „koi“=keinen, „meh‘“=mehr, „no älles“=noch alles, „d‘Flak“=die Flak (Flugabwehrkanone), „in die Roggagass g’stürzt“=auf die Roggenstraße gestürzt, „hend se“=haben sie, „g’schria“=geschrien, „sind’s“=sind sie, „Bemüha“=Bemühen, „vergiss i au nie“=vergesse ich auch nie, „hend’s an de‘ Füß die Trepp ra’zoga“=sie zogen ihn an den Beinen die Treppe herunter, „da‘ Kopf ang’schlaga“=mit dem Kopf aufgeschlagen, „d’andre Pilota“=die anderen Piloten, „g‘storba“=gestorben, „Muld“=Mulde, „ma“=man, „no find‘t“=noch finden kann

Rosenseele. Fotografie & Gedichte

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Foto: ©Constanze

Noch schlummert Frühling müde und verhalten
im Schoße der Natur und räkelt sich,
nur ungern mag er aufstehn, sich entfalten,
in seinem lichten Kleid ganz königlich…

~ ~

Prächtig entfalten wollte sich dafür aber ein weiteres schönes Buchprojekt in Zusammenarbeit mit Nicole (https://nic4u.wordpress.com/). Wiederum kunstvoll hat sie dieses Mal einige lyrische Blüten unseres Poesiezimmers mit ein paar erlesenen Rosenschönheiten aus dem Archiv ihrer persönlichen Fotokunst zu einem duftigen Strauß verwoben.

Diese kleine, feine „Rosenseele“ liegt nun als Geschenkbändchen im Postkartenformat (DIN A6) für interessierte Leserinnen und Leser bereit zum Entblättern, Aufblättern…

Der Umschlag ist zudem hübsch verziert mit einem aufgebrachten Stanzmotiv. Das liebevoll gestaltete und handgebundene Buchwerk mit insgesamt 48 bedruckten Seiten von Nicole Carina Fritz kann wieder direkt bei ihr per E-Mail über post@felt4books.de bzw. in ihrem Onlineshop http://www.felt4books.de zum Preis von jeweils 9 Euro, zuzüglich 1,45 Euro Porto, bestellt werden. Dort erhältlich ist übrigens auch weiterhin unser erstes Büchlein „Blütenbande“. Siehe hierzu auch: https://wolfregensconstanze.wordpress.com/2016/04/21/bluetenbande-gedichte-und-malerei/

Euch allen bereits jetzt schon eine frohe Osterzeit!

Constanze & Wolfregen

Was die Ahnen erlebt und erlitten…

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Johann Heinrich Füssli: Nachtmahr (um 1781)

Die Heimsuchung

Unten hört man Mutter nähen, abends, wenn es still im Haus,
Hört das Riemenrad sich drehen, sonst sind alle Lichter aus.
Die Spule surrt, die Nadel rauscht, Fäden schneidet sie und tauscht:
Nein, das Wippen kann nicht stören, wohl tut‘s, ihr so zuzuhören.

Warmer Fleiß erfüllt die Stube, strahlt hinauf bis unters Dach,
Dort liegt bleich wie ihre Puppe auch das Töchterlein noch wach.
Die Kammer ist nicht ausgebaut, hörbar ist der kleinste Laut,
Ob von drunten oder draußen, Schindeln knacken, Winde sausen…

„Hört sie auf?!“- Nein, sie näht weiter; jedes Mal ein böser Schreck,
Wird der schmale Streifen breiter, löscht sie‘s Licht und geht dann weg.
Ein Weilchen näht die Mutter noch, flickt zwei Socken, stopft ein Loch.
Hilflos fühlt es sich, verletzlich – jetzt ist’s dunkel worden plötzlich!

Alles still

Sitzt sie an der Nähmaschine weit bis in die späte Nacht,
Hat, das weiß nicht die Alwine, auch der Böse keine Macht.
Solang das Licht dort unten brennt, wagt er sich nicht an das Kind,
Doch sobald es ausgegangen, wird er nahen, nach ihm langen…

„Näh no bissle, sonst kommt’s wieder, was mich hier im Dunkeln quält!“,
„Ungern legt sich’s Kindle nieder, glaubst du, was es uns erzählt?“
Der Vater rätselt noch, schläft ein, Mutter bangt, ’s mög Ruhe sein,
Doch die hat man lang schon nimmer, etwas Drittes ist im Zimmer!

Still, kein Laut mehr, nur ein Pochen: ängstlich ist’s das eigne Herz.
All dies geht jetzt zwei, drei Wochen, wenn’s früh dunkel wird, dann plärrt’s.
Wer ist’s, der nach dem Kinde schielt, ihm den Schlaf, die Ruhe stiehlt?
„Welche Satan‘ lend’s net schlafa, wolla oder müssa’s strafa?!“

Es fängt wieder an

Jeds Mal gleich, beginnt’s mit Knarren, hinterm Wandschrank, unterm Bett,
An die Läden, Dielen, Sparren hängt sich’s dann, als säg ein Brett.
Ein hohles Scherren dann wie Mäus von der Stiege her, der Speis,
Bis sie ganz heran sich wagen und das Kindlein selber plagen.

Übers Dach weg ziehen Ketten und ein Flattern heiß im Raum,
Hin und her, und über Betten hin zum Herzen schleicht’s wie Flaum.
„Wilhelm, guck, wie’s no scho daliegt, ebber will, dass es verstickt!
Wenn mir zwoi des Kindle möga, müssa mir uns zu ’nem lega!“

Das geschieht, doch blass sind beide, er vor Zorn und sie vor Schreck,
Beizustehn dem Kind im Leide ist der ohnmächtige Zweck.
Noch kaum gewärtig, wo und wie, fährt’s dem Vater dumpf ans Knie,
Dass ein Fleck ihm bleibt, ein blauer: da erst überkommt ihn Schauer!

Die letzte Hoffnung

Einer kann den Geistern wehren, die dem Kinde Übles tun:
„Gang zum Kaulfuß ’naus, sie zehren es sonscht auf, die lend’s net ruhn!“-
„Nach Bempflingen?“- „Ja, Weib, dorthin, der, heißt’s, hat den sechsten Sinn,
Der steht über den Daimonen, sieht, wenn sie im Hause wohnen!“

„Einer Hebamm z’Weidach oba, der ma d’Kinder z’Tod hat g’wiegt,
Hat er leicht das Bett verschoba, so den bösa Geischt besiegt.
`Die Erscht, die dir verkommt, wenn’s tagt, ischt es, die die Kindlein plagt‘:
Angesprocha, musst se weicha – s‘wird dem unsrer Lotte gleicha!“

Unsereins mag manches lernen, in den Urgrund sehn wir nicht,
Was in dem Verborgnen, Fernen aufwächst, schaut kein Tageslicht.
Vom bösen Geist, von Ferngewalt hat man dürre Worte halt,
Nicht Vernunft kann hierfür taugen – Kaulfuß aber sieht’s mit Augen!

Alwine beim Kaulfuß

„Hat dei Mann im Dorf wo Schulda, liegt ein Fluch, ein Zwang auf ihm?“-
„Wa mir mitmacha und dulda, na, s’ischt also mehr wie schlimm!“-
„Willsch sehn? Dann schausch in Spiegel dort, wer die bös Frau isch im Ort.“-
„Lebtag will i sell net schaua, s‘tät mi wie vorm Teufel graua!“

Eingefurcht die Denkerstirne, sieht er jetzt noch finstrer aus,
Folgt dem schmalen Geisteszwirne bis in das verhexte Haus.
Hier steht’s: gleich fangen Felder an, Kaulfuß ist ein Bauersmann,
Kann nicht zaubern, ’s nur besprechen, doch den Fluch, den will er brechen.

„Nimm den Spruch mit aus der Bibel, näh‘n ins Kopfkissen mit ei,
Unser Heiland schirmt das Übel, nächscht Nacht wird scho ruhiger sei.“-
„Wa bin i schuldig?“- „Nichts, Weib, nichts, er befiehlt mir, i verricht’s:
Er ist Quelle allen Segens, wir empfangen‘s nur und pflegen’s.“

Wieder in Bonlanden

„Was?! Im Spiegel konnt mer‘s seha?!“- „Noi, mir wurd so eng, so klamm.
Sag, hosch du wo Schulda steha?“- „Ja, im Unterdorf, im Lamm…
Die kecht’s erscht sei, die Hex, die alt; mit der Axt na, woiß i’s bald…!“
W(..) Wilhelm sagt’s entschlossen (einen hat er schon erschossen).

Noch brennt Licht in ihrer Schenke, zwei, drei sitzen mit am Tisch,
Fährt die Tür auf: und die Bänke wackeln jetzt schon, dann wird‘s frisch.
„So, Lammwirtin, du siehscht, i komm, und du weißscht ja au, warom –
Da, nemm’s Geld, und eines sag’e: Lass mei Kind in Ruh, sonscht schla’de!“

„Böse‘ Leut muss man’s entdecka“, Kaulfuß‘ Wahrspruch hat gewirkt.
„Die alt Schindmähr soll verrecka“, beinah hätt er sie erwürgt.
Wie herb auch Rosskurs Warnung sei, seither ist der Spuk vorbei,
Niemand tappt mehr auf der Bühne, steht im Dunkeln, fordert Sühne.

©Wolfregen

PS: Diese „dunkle Stimme“ führt zurück ins letzte Jahrhundert, ins Schwäbische Ende der 20er Jahre, alles hat sich so zugetragen; da man schon damals alles konnte außer Hochdeutsch, nun einige Übersetzungshilfen für unsere norddeutschen Freunde:
„no bissle“=noch ein wenig, „plärrt’s“=weint es, „lend’s net schlafa“=lassen es nicht schlafen, „wie’s no scho“= wie es nun schon, „ebber“=jemand, „verstickt“=erstickt, „mir zwoi“=wir zwei, „zu ’nem“=zu ihm, „gang“=geh, „sonscht“=sonst, „Daimonen“=Dämonen, „z’Weidach oba“=oben in Weidach, „ma“=man, „z’Tod hat g’wiegt“=zu Tode gewiegt, „Geischt“=Geist, „die Erscht, die dir verkommt“=die Erste, die dir begegnet, „wa mir mitmacha“=was wir erleben müssen, „na, s’ischt also mehr wie schlimm“=das ist wirklich mehr als schlimm, „lebtag will i sell net“=das möchte ich niemals im Leben, „s’tät mi“=das würde mich, „näh’n…mit ei“=nähe ihn…mit ein, „nächscht Nacht“=die nächste Nacht, „i verricht’s“=ich führe es aus, „konnt mer’s seha“=konnte man es sehen, „noi=nein, „hosch du“=hast du, „die kecht’s erscht sei“=die könnte es sogar sein, „mit der Axt na, woiß i’s bald“=mit einer Axt hinunter (zu ihr), werde ich es herausbekommen, „weißscht ja au, warom“= wirst du auch wissen, weshalb, „nemm’s Geld“=nimmt das Geld, „sag’e“=sage ich, „sonscht schla’de“=andernfalls schlage (ich) dich, „böse‘ Leut“=bösen Menschen, „Schindmähr“=Schindmähre (Schimpfwort für eine bösartige alte Frau)

Der Dino wankt…

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Foto: ©Frisia Orientalis, Quelle: commons.wikimedia.org

Die Leiden des Uwe S.

Der Dino wankt im hellen Dress
Dem dunklen Abgrund zu,
Das lässt dem armen Uwe S.
Seit Wochen keine Ruh.

Kein Arp, kein Trainerwechsel frommt,
Sieht, wie sein HSV
Zum Hamgurker SV verkommt,
Die Fans machen Radau.

Im Volkspark läuft sie noch, die Uhr,
Die unanhaltbar scheint,
Ob der, der bisher mild verfuhr,
Es diesmal anders meint?

Verzweifelt, Alter einerlei,
Zu retten in der Not,
Hat Uwe Fußballschuh‘ dabei,
Bereit fürs Aufgebot…

©Wolfregen

PS: Der Hamburger SV ist der einzige Fußballverein in Deutschland, der seit seiner Gründung immer der jeweils höchsten Liga angehörte und nie abgestiegen ist (daher der Name „Dino“); im Volksparkstadion läuft eine Uhr, die in großen Leuchtziffern die bisherige Dauer seiner Bundesligazugehörigkeit anzeigt: Jahre, Tage, Stunden, Minuten, Sekunden. Der absolute Alptraum aller Anhänger: wenn diese Uhr einmal angehalten bzw. abgeschaltet würde (was hoffentlich nie geschieht!).
Nie war die Abstiegsgefahr größer als jetzt und fast aussichtslos scheint die Lage. Zuletzt lag die Hoffnung auf den Schultern eines erst 17-jährigen, jungen Spielers (Fiete Arp), der dem gewaltigen Druck aber noch nicht gewachsen scheint.
Die Legende des Vereins ist Uwe Seeler (Jahrgang 1936), der immer nur für den HSV spielte und deshalb dem Verein besonders verbunden ist (und in meinem Gedicht aus schierer Verzweiflung noch einmal ins Geschehen eingreifen möchte).

Zum 90. Geburtstag von Hermann K.

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Foto: ©Flussar, Dorfschulmuseum Erkheim-Daxberg, Klassenraum aus der Sicht eines Hinterbänklers, Quelle: commons.wikimedia.org

Der ewige Hausmeister

Die Namen kanntest du runter und rauf,
Dir stellten wir dankend ein Standbild auf,
Du machtest mit uns den herrlichsten Quatsch
Und Mohrenkopfwecken und Doppel-Datsch…

Du hast mit uns in der Schulbank gesessen,
Die Lehrer haben wir alle vergessen,
Um keinen von ihnen ist es zu schade,
Dir gab man zu Ehren die Hermanniade!

©Wolfregen

PS: Hommage an unseren Hausmeister Hermann K., der seinerzeit die Namen aller Schüler (über 1000) wusste, in der großen Pause Schaumgebäckwecken (damals „Mohrenkopfwecken“ bzw. „Doppel-Datsch“) verkaufte, der immer für gute Laune sorgte, dem man sich bei Schulstress und Sorgen anvertraute (Schulsozialarbeiter gab es damals nicht) und der heute seinen 90. Geburtstag feiert. Ihm zu Ehren wurden von uns Schülern einst eine Herme aufgestellt und als Abi-Feier ein Sportfest, die „Hermanniade“, ausgerichtet.
Möge er noch lange leben und unvergessen sein!

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.filderstadt-bernhausen-warum-dieser-mann-250-postkarten-aus-aller-welt-bekommt.5cf2e43f-2706-4d34-a60b-a7883e1cdf80.html

Valentinsblüte

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Foto: ©CanvasSlovenia / pixabay.com

~♥ Rosenherz ♥~

Des Winters dürftiger Gesang bin ich
aus tiefsten Seelensaiten, die ich dehne,
du bist der Sommerklang, den ich ersehne –
o liebe mich, so innig du nur kannst,
auch wenn die Sonne müde in dir tanzt
in trüber Stunde, die das Gold uns blich.

Mein Rosenherz blüht immer nur für dich,
wenn du mir nahe bist, dich bunt verschwendest
in meinem Garten mit der Töne Flut,
dein lichter Glanz birgt frische, warme Glut,
du wächst in mir stets liebevoll und endest –
und treibst die Knospe neu und ewiglich…

©Constanze

Laut predigend zog er dahin…

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Foto: ©Rizzo, Marktstätte in Konstanz, Quelle: commons.wikimedia.org

Der Wanderprediger

In der Fußgängerzone sah ich ihn
Von Konstanz und später in Freiburg wieder,
Laut predigend zog er dahin,
Stehenzubleiben vermied er;
Die Leute sahen ihm schweigend nach,
Während er weiter unbeirrt sprach.

Überragte sie alle um einen Kopf,
Wirr war sein Haar, doch klar seine Stimme,
Die meisten dachten wohl: armer Tropf,
Mir schien er voll ratlosem Grimme;
„Heiß wird der Sommer“, sagte er,
Und manches Wunderliche mehr.

Durch welche Wüste von Innenstadt
Mag heute der Einsame gehen,
Ich habe ihn nie mehr gesehen,
Ob er noch Worte wie damals hat?
Oder lebt in einer Psychiatrie,
Predigt den Wänden und starrt auf sie…

©Wolfregen

„Wenn ich ein andres Wort für Musik suche, so finde ich immer nur das Wort Venedig.“ (Nietzsche)

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Friedrich Nerly der Jüngere: Santa Maria della Salute, Venedig (undatiert)

Nur in Venedig

Soll mir das Herz voll süßer Wehmut sein,
Dann fällt mir immer nur Venedig ein,
Die schwarzen Gondeln seh ich, die Kanäle,
Am Uferrand die langen Gondelpfähle
Und Haus an Haus Paläste ganz aus Stein.

Ich weiß von keinem Fluss in keiner Stadt,
Der eine Brücke wie Rialto hat,
Sah keine Kirche noch, die in sich ruhte
Wie Santa Maria della Salute,
Auf keinen Platz ich wie San Marco trat.

Nur in Venedig wachsen Rosen schnell,
Nur dort glänzt eine Mondnacht zauberhell,
Das Wasser schimmert wie bewegte Seide,
Musik klingt trauriger und sagt: ich leide
An dieser Schönheit, zeitlos ist ihr Quell.

In jeder Gondel fährt die Sehnsucht mit,
An jedes Fenster ein Geheimnis tritt,
Wie hohe Spiegel leuchten sie, nur milder,
Und Kerzen löschen ihre dunklen Bilder,
Wenn grau der Morgen naht mit leisem Schritt.

Möcht mir ums Herz recht süß und wehe sein,
Dann fällt mir immer nur Venedig ein,
Ich seh die Stadt, ich sehe die Lagune,
Sie ruht darin wie eine Märchenkrone,
Den Turm, die Kuppeln sehe ich und wein.

©Wolfregen

Er ging durchs Gebirg…

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Foto: ©sweetaholic / pixabay.com

*~ Sternenwanderer ~*

Es war schon dunkel, als er endlich ging
weit durchs Gebirg auf unbekannten Wegen,
vereist und aufwärts nur bei Schneewind, Regen
und jeder Schritt ein Stein, der an ihm hing.

So mächtig wie der Fels, der ihn umfing,
doch fühlte er die Kraft, ihn zu bezwingen –
es steckt viel Wunderbares in den Dingen,
in jedem Wandrer, der da einsam ging.

Voran, nur immer seinem Ziel entgegen,
das leuchtet auf dem eignen, hohen Pfad
wie jener Ort, der plötzlich vor ihm lag,
ein Lichtblick nach dem Sturm und stiller Segen.

Und über ihm der Mond mit sanftem Schimmer
und Glanz wie aus der warmen Häuser Zimmer
zog tröstlich in sein müdes, banges Herz
und nahm die Schwere von ihm und den Schmerz.

Nahm Winter ihm und gab der Seele Schwingen
wie einem, dem die Himmel leise singen
ganz ohne Wirrnis, Mühsal im Gepäck –
so ging er leicht, flog sternengleich hinweg…

©Constanze