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Jahrhundertspiel 1970

Italien-Deutschland, lang ist das her,
Solch Spiele und Spieler, die gibt‘s nicht mehr,
Da spielten noch Länder, spielten Legenden,
Da ließ sich der Fußball schwierig nur senden.

Doch erstmals in Farbe, gute Idee,
Brasilien hatte seinen Pelé,
Facchetti, Mazzola, Riva, Rivera,
Das waren noch Namen, welch eine Ära!

In Mexiko 70 Weltmeisterschaft,
Die Vorrunde mühsam glücklich geschafft,
Im Viertelfinale England bezwungen,
Nach 0-2 noch knapp ein 3-2 errungen.

Uns Uwe mit einem Hinterkopf-Tor!
Der stärkere Gegner stand noch bevor:
Italien, blau-weiß-blau, Betonierung,
Früh gehen sie gegen Deutschland in Führung.

Fast hundertdreitausend Zuschauer da,
Bei vierzig Grad Schatten dem Hitzschlag nah,
Die Hemden noch weiß, der Ball noch aus Leder,
Die Werbung, das Geld, das kam alles später.

Das Spiel scheint verloren, Gestik, Gemaul,
Der Schiedsrichter pfeift kein einziges Foul
Und zahlreiche Chancen lassen wir liegen,
Die Italiener scheinen zu siegen.

Sie schinden nun Zeit und legen sich hin,
Schon Nachspielzeit: Ausgleich, der Ball ist drin!
Dem Schnellinger „ausgerechnet“ gelingt er,
Verlängerung mit Spagatsprung erzwingt er.

Der Kaiser spielt weiter, schulterverletzt,
Den Arm angebunden, sieht man ihn jetzt,
Rosato, der harte Müllerbewacher,
Ist ausgetauscht, ob die Abwehr nun schwacher?

Verwirrung im Strafraum, dann Müller-Gerd,
Den Ball er über die Linie scherrt,
Die Freude nicht lang von Maier bis Seeler,
Der Vorsprung dahin und was für ein Fehler!

Dann wieder im Rückstand, kann das denn sein?!
Mit trockenem Flachschuss netzt Riva ein,
Mit Kopfball noch einmal Müller zur Stelle,
Rivera beendet schließlich die Hölle…

Italien-Deutschland, lange ist’s her,
Solch Spiele und Spieler, die gibt’s nicht mehr,
Da spielten noch Länder, spielten Legenden,
Da konnte Kommerz den Sport noch nicht blenden.

©Wolfregen

PS: Mit „Uns Uwe“, seinem Spitznamen, ist der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft Uwe Seeler gemeint, mit dem „Kaiser“ Franz Beckenbauer; die italienische Mannschaft war für ihre sehr defensive Spielweise berüchtigt, deshalb „Betonierung“; Karl-Heinz Schnellinger spielte seinerzeit in Italien beim AC Mailand, zwei seiner Mitspieler dort (Rivera, Rosato) spielten nun auf der Gegenseite, deshalb „ausgerechnet Schnellinger“, wie der damalige Fernsehkommentator bemerkte.