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Foto: ©unbekannt, RMS Titanic (1912), Quelle: commons.wikimedia.org

Das (Alp)traumschiff

Der Kapitän und seine Crew
Sitzen am Mittagstisch,
Zufrieden prostet man sich zu:
Gleich gibt es Tintenfisch;
Die Reise hat mit Sekt begonnen,
Doch plötzlich knallt ein Schlag wie Tonnen.

Was war das? Taumelnd schwankt das Schiff,
Man schaut sich fragend an:
Wir stießen an ein großes Riff,
Spricht leis der Steuermann;
Quatsch! Kenn die Strecke nicht erst heute,
Beruhigt der Kapitän die Leute.

Da stürzt der Maschinist herauf
Und schwört ihm Stein und Bein:
Die halbe Bordwand riss es auf,
Wie Fluten schießt’s herein;
Die Schotten dicht, Nottelegraphen
Und schnell zurück zum Ausgangshafen!

Zurück?! Unmöglich, nicht mit mir,
Wir sind auf großer Fahrt,
Erst einmal überprüfen wir,
Ob sich ein Tun erspart:
Bei schwerem Seegang manch Matrose
Ergriff Klabautermanns Neurose.

Am späten Nachmittag wird klar,
Es gibt ein Leck, das klafft,
Was unter Deck man raunt, ist wahr,
Jetzt hilft nur Wissenschaft:
„Kein Torschluss“ tönt‘s von allen Lippen,
Das Schiff würde nach Backbord kippen.

Wir pumpen lieber Wasser ab,
Sofern das möglich ist,
Und möglichst oft steigt wer hinab
Und schaut sich’s an und misst;
Nach Übersee müsst’s dennoch reichen,
Dort werden wir das Boot neu streichen.

Am Abend gibt man dann bekannt,
Dass Wasser wertvoll sei
Und ringsherum läg schönes Land,
Musik spielt schon dabei;
Die ersten tanzen Polonaise
Und kreischen laut verzweifelt Späße.

Ich bin kein Physiker, vielleicht
Versinkt’s hart über Bug,
Die schönste Blüte ist erreicht
Im hohen Selbstbetrug –
Dem Leser lass ich farbne Schalen,
Das Endtheater auszumalen…

©Wolfregen