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Wilhelm Busch: Lehrer Lämpel (1865)

Montagmorgen in Flausenhausen

Es fährt die erste Straßenbahn,
Auf freier Strecke hält sie an:
Der Fahrer, nicht von abzubringen,
Möcht hören, wie die Vöglein singen.
Der Bäcker blieb im Bette liegen,
Auch Brötchen wird man heut nicht kriegen,
Er lauschte, was der Nachtmahr sprach,
Nun schläft er noch, ihm war danach.

Der Lehrer lässt im Unterricht
Die Schüler schreiben, wie sie wollen,
Und schöpft gleich selber aus dem Vollen,
Was vorzuschreiben, liegt ihm nicht.
Er geht hinunter in den Hof
Und lässt die Schüler oben walten,
So lernt man, selber zu gestalten,
Die Sonne scheint, sie sind nicht doof.

Nicht lange und die Schule brennt,
Die Feuerwehr kommt angerennt,
Doch einer hat den Schlauch zerschnitten,
Die Freude hat ihn halt geritten.
Der Richter lacht und zählt die Scheiben:
Ihr seht, das lässt man besser bleiben,
Am Schlauche liegt die Sauerei –
Und spricht die Kreativen frei.

Authentisch auch die Eltern sind,
Sie wollen zwar von Schuld nichts wissen,
Doch ihre Schule auch nicht missen
Und gründen einen Fonds geschwind.
Bei so viel Schülerpotential,
Da wird man Investoren finden
Und neue Träger an ihn binden,
Ein Förderpreis winkt allemal.

Der Bürgermeister hilft gern aus,
Das Schulamt hält sich lieber raus,
Es spricht sich rum, muss intressieren,
Wie stark sich alle engagieren.
Ein Motto war es, das noch fehlte,
Nach einem Stuhlkreis, der sehr quälte,
Hat man gefunden, was man braucht:
Erlebe Schule, die nicht schlaucht…

©Wolfregen

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