Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Foto: Joe Mabel: Wurlitzer Jukebox, Quelle: commons.wikipedia.org

Foto: ©Joe Mabel: Wurlitzer Jukebox, Quelle: commons.wikipedia.org

Die Krone in Ödhausen

Ist eine jener Dorf- und Landgaststätten,
Woran nicht nur die Zeit vorübergeht,
Das einzig Neue sind Papierservietten,
Doch alles sonst am selben Platz noch steht;
Sie könnt auch Ochsen, Hirsch und Rössle heißen,
Die Tageskarte kennt nur zwei, drei Speisen.

Pommes frites bekommt man nicht zu den Gerichten,
Nicht weil man „haute cuisine“ und nobler wär,
Die gab es nie, die wird man hier nie sichten,
Zum Braten isst man Spätzle und nicht mehr;
Am Sonntagmittag hilft Bedienung eine,
Ansonsten geht es immer gut alleine.

Man könnt auch einen Nebenraum hier nutzen,
Der scheint seit Jahren aber schon verwaist,
Man müsst mal lüften und den Staub abputzen,
Geht jemand rein, dann ist’s die Neugier meist;
Am Stammtisch hat man sich nichts mehr zu sagen,
Man kennt von jedem schon die Alltagsplagen.

Der Ortsverein, wann wird er endlich siegen?
Ein Bild hängt, als man einmal Meister war,
Ist lange her, ist wieder abgestiegen
Schon gleich darauf im bittren Folgejahr;
Man hat die Kreisliga nie mehr verlassen
Und doch mag niemand hier ein Spiel verpassen.

Verirrt sich jemand Fremdes nach Ödhausen,
Dann wird hier alles plötzlich mausestill,
Und geht er wieder, kommt wer mit nach draußen
Und fragt sich, was der Reingeschmeckte will;
Noch auf dem Klo hält mancher rätselnd inne
Und starrt mit Argwohn in die gelbe Rinne.

Die Musicbox spielt abends „Mendocino“,
Wer Fernweh hat, den muss das arg berührn,
Die alte Wirtin – veritas in vino –
Wird sich ein Brot mit Essiggurke schmiern;
Die Plastikblume welkt nicht in der Vase,
Wer traurig ist, der sucht hier die Oase…

©Wolfregen

Advertisements