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Foto: Burg Frankenstein bei Darmstadt, Constanze

Foto: Burg Frankenstein bei Darmstadt, ©Constanze

~ Die Nachtseiten der Mary Shelley ~

Gab es jemals solch einen Sommer –
blasswangig, kühl und stürmischer denn je,
der Juni peitscht dir Schauer ins Gesicht,
Gewitternächte stört das Tagwerk nicht,
ziehn grollend übern Himmel ohne Weh;
ihr Zürnen macht dich auch nicht frommer
und fürchtiger vor Gott und diesem Leben,
vielmehr bewegt es dich, etwas zu weben,
das passender nun scheint in Zeiten,
in denen wir gewöhnlich weiten
das Herz und unsre Seele hin zum Schönen,
Gemächer öffnen für das Licht…
– doch Aufruhr trübt die Sinne nicht,
lässt dich nur klarer tasten düstre Seiten,
die stets im Eigenen das Glück verhöhnen
und, nun erwacht, die Räume sich bereiten
fürs Ungeheuer, das in allem wohnt,
so heimlich dir im Innern
still lauert in den Zimmern
und jetzt an allen Ecken, Enden thront.

Gab es jemals solch wilden Bronnen –
so voller Aufruhr, Feuer im Kamin,
es schleicht in grauen Stunden und pulsiert
wie Lava durch die Kammern und verliert
sich magisch in den Köpfen, die nicht fliehn
vor den Geschichten, Schöpfersonnen…
– in trauter Runde schenkst du sie den Geistern,
die finstre Gründe mit dir teilen, meistern,
um Glanz dahinter zu erhaschen,
sie lassen sich gern überraschen
vom Rausch der Stimme, die sie flutet, findet,
bei Kerzenflamme, fahlem Schein
ziehn sie den Dämon in sich ein
wie Odem, der das Dunkelwesen lichtet
– wer Schatten kennt, fühlt Helles neu begründet
und Strahlen durch die Wolken neu gerichtet –,
blutleeren Stoffen hauchst du Leben ein,
Unwetter, Todestriebe,
stets schwelt auch Glut der Liebe
– nie wird ein Jahr so ohne Sommer sein!

©Constanze

Zur Entstehung von Shelleys Roman „Frankenstein“ vor 200 Jahren (zitiert nach Wikipedia):

„Mary Shelley schrieb den Roman in der Villa Diodati in der Nähe des Genfersees. Bei Lord Byron und dessen Leibarzt John Polidori verbrachte sie mit ihrer Stiefschwester Claire Clairmont und ihrem (zukünftigen) Ehemann Percy Bysshe Shelley den Sommer 1816. Dieses Jahr ging aufgrund des Ausbruchs des Vulkans Tambora im Jahr zuvor als das Jahr ohne Sommer in die Geschichte ein. Aufgrund des extrem schlechten Wetters konnten die Anwesenden das Haus oft nicht verlassen. So beschlossen sie, jeweils eine Schauergeschichte zu schreiben und den anderen vorzutragen. Mary Shelley schrieb die Geschichte Frankenstein und John Polidori verfasste Der Vampyr – eine Vampirgeschichte (lange vor dem Entstehen von Bram Stokers Dracula).“

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