Schlagwörter

, , , , , , , , , , , ,

Nikolai A. Sergejew: Heuernte (1887)

Nikolai A. Sergejew: Heuernte (1887)

Blümlein auf dem Felde

Man riecht schon Sommers süßen Duft,
Doch Blümlein sank beim Heuen,
Der Tag ist lang und warm die Luft,
Den Schnitter tut‘s nicht reuen;
Er tritt aufs Feld und geht darin
Und mäht das Gras geschwind dahin,
Nun liegt es da in Schwaden –
Wem tat das Blümlein Schaden?

Verliebt ich in ein solches war,
Wie keines mehr auf Erden,
Es liebte auch und als ein Paar
Wir wollten glücklich werden;
Ihr Bruder war gewogen mir,
Mein bester Freund ein Freund von ihr
Und alle froh verbunden,
Als hätt man sich gefunden.

Geknüpft sollt sein das Eheband,
Nach Gästen wollt man schicken,
Als spät ihr Bruder vor mir stand
Mit drohend finstren Blicken;
Mit scharfer Waffe blank und bloß
Tollwütig ging er auf mich los,
Noch war kein Wort gesprochen,
Da lag er schon erstochen.

Die Liebste ließ mich nicht zu sich,
Ins Ausland musst ich fliehen,
Was ich erfuhr, war kümmerlich,
Sie hat mir nicht verziehen;
In Trauer sie den Schleier nahm
Und starb im Kloster voller Gram –
Nach dreißig dunklen Jahren
Erst sollt ich mehr erfahren.

Mein Freund, den ich schon tot geglaubt,
Er schrieb mir kalte Zeilen:
Er liege da mit welkem Haupt,
Ich solle mich beeilen;
Sprach ungerührt am Sterbebett,
Dass er sie selbst gehabt gern hätt,
Drum hab er mich verraten,
Bezichtigt falscher Taten…

Mich rührt des Sommers Nahn nicht mehr,
Was wertvoll war, ging unter,
Geh in der Fremde fremd umher,
Ein Friedhof macht mich munter;
Ich weiß kein Lied, das Trost mir bringt,
Als solches, das der Schnitter singt
Von Blümlein und Verderben –
Tät meines nur nicht sterben.

©Wolfregen

Advertisements