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FriedC, Quelle: commons.wikimedia.org

©FriedC, Quelle: commons.wikimedia.org

Gute Frage

Feierliche Abendrobe,
Wie man’s im Konzertsaal kennt,
Räuspern, Spannung, Einspielprobe,
Vorn im Frack der Dirigent.

Partitur liegt aufgeschlagen,
Das Orchester ist bereit,
Kann er an das Werk sich wagen?
Letzter Blick zur Sicherheit.

Auf sein kurzes, strenges Tippen
Gehn die Instrumente hoch,
Schmiegen sich an Kinn und Lippen
Oder warten erstmal noch.

Erste Geige gibt ihr Zeichen,
Auf sein Nicken sie beginnt:
Nicht mit sanftem, süßem Streichen,
Nein, mit jähem Strich geschwind.

Lange nichts, dann die Oboe,
Einsam stürzt sie ächzend ab,
Schrill, als ob nun Unheil drohe,
Rennt das Horn zu ihr hinab.

Kreischend springt ein Ton dazwischen,
Bis die Trommel wütend tobt,
Freche Klarinetten zischen,
Vom Fagott dafür gelobt…

Ein, zwei Stunden geht’s so weiter,
Von Ästhetik ungestört,
Auf und ab die Zwölftonleiter,
Voller Ernst wird zugehört.

In den Augen ruht die Frage,
Was der Meister damit meint:
Ist es Jubel, ist es Klage?
Oder beides, wie es scheint?!

Ernsthaft auch, als wär’s ein Seher,
Spielt man ihn vom Notenblatt –
Niemand fragt, ob der nicht eher
Etwas an der Waffel hat.

©Wolfregen

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