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Bernardo Hay: The house of Lord Byron, Venice

Bernardo Hay: The house of Lord Byron, Venice (o.J.)

Die Pest in Venedig

Sie stieg im Dunkeln an Land
Und klopfte an jedes Haus
Und zog den Damen von Stand
Die goldenen Kleider aus.
Wie schwarze Blumen der Trauer
Besteigen sie stumm ihr Boot,
Die Gondel stößt von der Mauer,
Ihr Fährmann, das ist der Tod.

Im Nebel treiben sie fort,
Als kämen sie niemals an,
Die Ufer sprechen kein Wort,
Nur Wasser schwankt leicht daran.
Die Stadt legt bleich ihren Schleier
Den Toten aufs Angesicht,
Es kommt kein Priester zur Feier,
Die Messe, sie endet nicht.

Ein dürres Glockengeläut
Ist alles hier, was man hört,
Ununterbrochen ging’s heut,
Doch keinen es jetzt mehr stört.
Wer sind die Nächsten im Reigen,
Im traurigen Totentanz?
Bedrückt von Argwohn und Schweigen
Verkümmert Venedig ganz.

©Wolfregen

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