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Claude Monet: Gondeln in Venedig (1908)

Claude Monet: Gondeln in Venedig (1908)

~ Venezias Winterlied ~

In diesen Tagen steht sie grau gewandet,
verhüllt von blassen Schleiern und bedeckt
mit Trübnis, die an müden Ufern brandet,
– es gibt nichts mehr, was sie mit Leben weckt.

Der Sänger ihrer Schönheit scheint geschieden,
im Nebel hat er wohl ein Boot bestiegen,
vom Canal Grande auf das Meer hinaus,
ließ sie allein in einem öden Haus.

La Serenissima, du glanzvoll Schöne,
fast maskenlos kann man dich nunmehr sehn,
wenn seidne Fahnen dir auf Halbmast wehn,
versunken du im Trauerfluss der Träne.

Verhangne Spiegel, schwarze Gondelkähne,
Paläste weinen schweigsam in der Flut,
Melancholie im Wasser ohne Glut,
kein Schimmertanz auf kleinster Wellensträhne.

Verhaltener Gesang maroder Pracht,
sie singt ihr Winterlied bei Tag und Nacht
herab von Seufzerbrücke und Balkonen,
die flüstern, wo verblichne Geister wohnen.

Doch in Lagunengärten, inselstill,
entwächst sie dürft’ger Zeit mit lichten Trieben
fürs nächste Jahr, wenn sie neu blühen will,
betörend, reich, wie sie so viele lieben.

©Constanze

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