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Foto: Bin im Garten, Tanzbär in Bulgarien, Quelle: commons.wikimedia.org

Foto: ©Bin im Garten: Tanzbär in Bulgarien, Quelle: commons.wikimedia.org

Sein letzter Kampf

Der Bär war alt und wurde verkauft
Und sollte im Hundekampf enden,
Hier steht er nun: zerschunden, zerrauft,
Von Lampen umstellt, die ihn blenden.

Ein Ledermaulkorb schnürt ihm den Kopf,
Eng hält ihn die eiserne Kette,
Fast wehrlos setzt er Kragen und Schopf
Für die noch perversere Wette.

Schon gehn die Hunde wüst auf ihn los
Und fletschen die furchtbaren Zähne,
Er kämpft mit stumpfer Prankenwucht bloß,
Man zog ihm die Krallen wie Späne.

Sie beißen zu mit schiefem Gesicht
Und reißen vom Pelz große Stücke,
Die Leute brüllen, mit kriegt er’s nicht,
Ihm schwinden ermattend die Blicke.

Und hört im Schmerz der Sackpfeife Spiel,
Ihn sticht all die Qual, die er hatte,
Er steht jetzt wieder, Hüpfen das Ziel,
Als Tanzbär auf glühender Platte.

Das Tanzen wurd ihm so beigebracht,
Auf diese barbarische Weise;
Im Zirkus fuhr er, man hat gelacht,
Auf furzendem Moped im Kreise.

Er spürt die Peitschenhiebe, die Pein
Des grob vergewaltigten Lebens,
Im Käfig eingesperrt nur zu sein
Und Freiheit zu hoffen vergebens.

Die Schweinehunde geben nicht Ruh,
Sein Leib ist schon schrecklich zerbissen,
Da schwächt ein Rostring, bricht noch dazu:
Er hat sich vom Pfosten gerissen!

Befreit erfasst ihn heiliger Zorn,
Er haut sie zu Tode, die Köter,
Dann stürzt er auf die Zuschauer vorn,
Der Boden wird rot dort und röter.

Wär‘s nicht entsetzlich, blutrünstig ganz,
Man müsst applaudieren und lachen:
Der Maulkorbbär mit rasselndem Schwanz
Räumt auf in dem Saal, lässt es krachen…

Es ist vollbracht, der Tapfere wankt
Und sinkt ohne Kraft mehr darnieder,
Sein Auge, scheint es, lächelt und dankt –
Es zwingt keine Fessel ihn wieder.

Er atmet noch und fühlt sich zu Haus,
Der Kampfplatz, er hat sich gelichtet,
Die stumme Seele haucht er jetzt aus,
Die Peiniger: sie sind vernichtet.

©Wolfregen

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