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Roelant Savery: Dodo, Raphus cucullatus (ca. 1620)

Roelant Savery: Dodo, Raphus cucullatus (ca. 1620)

Insel der Seligen

Der Dodo war ein fetter Vogel,
Der nicht mehr fliegen konnt, dem zwei
Zu Stummeln eingeschrumpfte Flügel
Auch keine Hilfe war‘n dabei;
Er lebte auf Mauritius
Degenerierten Selbstgenuss.

Die Sonne ging halt auf und nieder,
Mal regnet es, mal bläst der Wind,
Er fraß nur, putzte sein Gefieder
Und zeugte dann und wann ein Kind;
Vergorne Früchte liebte er
Und torkelte dann hin und her.

So hätt es immer bleiben können,
War auch nicht übel, weiter schlimm,
Kein anderer tat’s ihm missgönnen,
Ihn pflegte Darwin ohne Grimm:
Er lebte friedlich, sorglos, zahm,
Bis er von fern Besuch bekam…

Es strandeten Seefahrerschiffe,
Die brachten hungrig Ratten mit,
Unfähig, dass er das begriffe,
Nicht diesen, noch den nächsten Schritt,
Sah Dodo allem arglos zu,
Er wehrt sich nicht, denkt nicht: nanu?

Es waren keine Urlaubsgäste,
Sie legten sich nicht sattblind hin:
Die Eier fraßen sie im Neste
Und, wenn er greifbar war, auch ihn;
Nicht lange ging’s, dann starb er aus,
Schaut nur noch aus dem Buch heraus…

©Wolfregen

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