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Adolf von Menzel: Balkonzimmer (1854)

Adolf von Menzel: Balkonzimmer (1854)

Mit der Droste zu den Sternen

Im Kerzenschein geht unruhig sie die Runde
durchs alte Burggemäuer, tief bei Nacht,
die große Standuhr schlägt die Geisterstunde
und blasser Schatten zittert – spät erwacht!

Steigt dann den Turm hinauf und überwindet
mit jeder harten Stufe den Verzicht,
die andern nehmen sie gern in die Pflicht,
doch dies ist’s nicht, was sie ans Dasein bindet.

Schnell löst sie unterm Dach die Riegel, lacht,
und Fenster werden ihr zu Himmelstüren,
die offen nur für sie ins Freie führen,
hell funkeln Sterne über ihr mit Macht.

O Seele, flieg hinauf zum Firmament,
der Mond schweigt stille über deinen Welten,
lässt dir die bunten Träume, die er kennt,
und alle Poesie im Herzen gelten.

Leis flüstre schöne Worte in den Wind,
hier oben sie dir Kinder, Engel sind,
Leuchtschnuppen, die mit immer leichten Schwingen
im Dunkeln schimmern, in der Ferne glimmen.

Auf Erden liegt Natur dir mild zu Füßen,
du lässt sie glücklich von den Sternen grüßen,
im See hält liebend dich dein Spiegelbild
denn du, du weißt, was dir das Leben gilt!

©Constanze

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