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August Geist: Erntemittag in der Fränkischen Schweiz (1860)

August Geist: Erntemittag in der Fränkischen Schweiz (1860)

Beim Betrachten alter Gemälde

Ich seh mir gern alte Gemälde an,
Sie ziehen mich traurig in ihren Bann:
Die Stadt in der Landschaft, die fernen Höhen,
Im Wissen, so hat es mal ausgesehen
Vor mehrhundert Jahren dort irgendwann.

Und wenn es des Malers Genie verstand,
Fein wiederzugeben mit stiller Hand
Die Jahres- und Tageszeit, was ihr eigen,
Im Wasser gespiegelt ihr Licht zu zeigen,
Versink ich darin wie in Fernwehs Land.

Ich fahr in den Kutschen gedanklich mit
Und sehe die Felder beim Ernteschnitt,
Der Sommer scheint breiter und nie zu enden,
Die Kornblume blauer in Mädchenhänden,
Verträumter der Abend ein Dorf betritt.

Das Leben war kurz und ein Weg war lang,
Entschiedener auch ins Bewusstsein drang
Des Herzens und Landstriches Wohl und Wehe,
Der Tod blieb beständig in dunkler Nähe
Und süße Erwartung barg Abschied bang.

©Wolfregen

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