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Frederic Leighton: Mother and Child (ca. 1865)

Frederic Leighton: Mother and Child (ca. 1865)

Mutter-Kind-Kur

Die kuriosesten Geschichten, wie es heißt,
Schreibt’s Leben selbst, die liest man nicht in den Romanen;
Auch folgende, die um betrog’ne Liebe kreist –
Und wer gemeint ist, wird sein Spiegelbild erahnen…

Die Nase trug sie reichlich hoch, wie’s viele tun,
Die mit Gehabe einen Missklang übertönen,
Im Elternhaus noch wohnend, war sie schwanger nun
Und plante groß die Hochzeit schon mit allem Schönen.

Das schönste Kleid, die schönste Braut, das schönste Kind,
Nach allen Sternen, möcht man glauben, will sie fassen;
Da hieß es plötzlich: dass es nur noch Träume sind,
Ihr langgeliebter Freund, er werde sie verlassen!

Wie sehr in ihm getäuscht! Die Eltern auch geprellt!
Was werden die geschimpft und sie bedauert haben;
Nun, eine Tochter brachte sie doch auf die Welt,
Ansonsten blieb sie, wie sie war, schwieg wie begraben.

Sie zog ihr Kind allein mit der Erinn’rung auf,
Ein jeder dachte: Schlimm, wie muss das tragisch enden!
Ach was, der große Regisseur setzt noch was drauf,
Der liebt es, so ein Stück ins Komische zu wenden.

In all den Jahren blieb ihr nur ein schwacher Trost:
Tanzunterricht und seines Lehrers Zuspruch nämlich;
Und siehe da: vom blinden Zufall zugelost,
Die Tochter (sie ging mit) sah mehr und mehr ihm ähnlich…

©Wolfregen

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