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Ferdinand Hodler: Die Nacht (1889-1890)

Ferdinand Hodler: Die Nacht (1889-1890)

Alles schläft

In Windeseile frostig zugedeckt,
die Nacht kam, hüllte die Natur in Schweigen,
nun tanzt hier nichts mehr licht im Lebensreigen,
nur noch des Eises Flocke, aufgeweckt.

Die Erde ruht in einer tiefen Stille,
es scheint, als ob ein mächt’ger Schöpferwille
nun nichts mehr möchte, außer ganz zu ruhn,
und müde schleicht in ausgedienten Schuhn.

Doch drüber wacht des Mondes Schlummerlicht
und weiß, dass irgendwann die Decke bricht,
die letzte Stunde hat noch nicht geschlagen,
wenn Knospen sich erneut durch Schichten wagen.

Und endlich wird die ganze Welt neu leben,
im Glanz der Sonne wieder kraftvoll sein,
leicht taumelnd noch sich nur der Freude weihn
und sich aus Winterernst und Schlaf erheben.

©Constanze

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