Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Foto: Wolfregen

Foto: ©Wolfregen

Unseliges Erwachen

Dunkelheit! Nacht! Wo bin ich hier nur?!
Ich seh nicht bei offenen Augen!
Abbricht mir die Erinnerungsspur:
Saß trunken bei Fraun, die nichts taugen.
Hart ist das Lager, lieg ich auf Stroh?
Dumpf riecht’s nach Moder, hört man mich wo?

Hab hier geschlafen. Wie kam ich her?
Ich weiß nichts. Was schmerzt mich der Rücken!
Arg brummt mein Kopf! Was hängt mir so schwer
Am Leib, ums Gelenk, mich zu drücken?!
Rasselt, als ob es Ketten…Gott, nein!
Fesseln sind’s wirklich…enden am Stein!

Wer hält mich hier und gegen das Recht?!
Der König! Jetzt weiß ich es wieder –
Aufgeklärt geltend, ehrt er sich schlecht:
Behandelt wie Vieh seine Brüder!
Querflöte spielend, Brief an Voltaire,
Kriege, als wenn’s ein Musengang wär…!

Vogelgesang! Ein trostloser Ruf
Von außen an den, der gefangen:
Freiheit, ein Morgenrot, das dich schuf –
Doch Kerkern bleicht’s kalt nur die Wangen.
Stäbe! Scharf sichtbar gegen das Grau:
Elend, bald seh dich gar zu genau!

Schleif nun die Eisenringe im Kreis,
Geschmiedet, die Dämmrung zu lieben;
Unglück, wie lange währst du? Wer weiß.
Hier steht was am Boden geschrieben:
Tasten’s die Finger? Groß T, R, E –
Lies nicht zu Ende, so tut’s schon weh!

Name…Gebein! Ich hab mich erkannt:
Man legt mir aufs Grab schon die Platte;
Lebend noch aus der Sonne verbannt,
Ein Leichnam schon jetzt – wie die Ratte!
Wasser und Brot, Verwesung die Luft,
Aufgewacht tot in eigener Gruft!

©Wolfregen

Advertisements