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Foto: Wolfregen

Foto: ©Wolfregen

Moritat

Das Flüsschen Elz fließt ruhig dahin,
Ein Haus steht stumm daneben,
Ein Fischer wohnte einst darin –
Er ist nicht mehr am Leben.

Hat seine Frau ihn umgebracht?
Man muss es sehr vermuten:
Warf heimlich etwas in der Nacht
Hinein in seine Fluten…
*
Sie schwieg in Untersuchungshaft,
Hat keine Tat gestanden,
Bis Taucher einer Suchmannschaft
Die Knochenreste fanden:

Ihr Mann hab‘s schwer am Herz gehabt,
Hab Pillen keine wollen;
Hab ihn (pervers? übergeschnappt?)
Zersägt verbrennen sollen!

Im Keller lag er lange Zeit,
Von Beton übergossen,
Da hab sie hämmernd ihn befreit,
Sich doch dazu entschlossen…
*
Ein knappes Jahr blieb er vermisst,
Man rätselt jeden Morgen,
Nicht sie, die sehr viel jünger ist,
Die hatte andre Sorgen:

Der Fischer, sparsam, wie er war,
Erwarb sich viel Vermögen,
Es fehlt die Vollmacht beim Notar:
Ein Double half dagegen.

Ein Freund – sie hatte mehr als zwei,
Bei Huren auch kein Wunder –
Erschien mit ihr in der Kanzlei
Und schrieb H. H. darunter.

Nach außen log sie weiter frech,
Ihr Mann, er sei auf Reisen –
Nun ist er tot, Juristenpech:
Man kann ihr nichts beweisen…
*
Sein Lebtag warf er Netze aus,
War tapfer Junggeselle,
Jetzt sitzt ein Weib in seinem Haus
Und schöpft aus reicher Quelle.

Sie nennt sich Opernsängerin
Und hat doch falsch gesungen,
Noch immer fließt die Elz dahin –
Dies Stück scheint ihr gelungen…

©Wolfregen

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