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Carl Bantzer: Abendmahl in einer hessischen Dorfkirche (1891/92)

Carl Bantzer: Abendmahl in einer hessischen Dorfkirche (1891/92)

Angebot und Nachfrage

Im dunklen Sonntagsstaat sitzt alles streng gescheitelt,
Der Schuld bewusst ernst schweigsam, Tränen im Gesicht,
Auf harten Kirchenbänken von dem Wort gebeutelt,
Das der Herr Pfarrer von der hohen Kanzel spricht.

In Andacht auf den Knien, sommers oder winters
Voll Inbrunst betend, doch im Büßerherz erst warm,
Erbarmt sich Jesus Christus gnadenreich des Sünders
Und nimmt ihn wieder in den treuen Hirtenarm.

Ein schlichtes Lied, im hohen Kirchenernst gesungen,
Schließt fromm den Gottesdienst im festen Glauben ab:
Mit in die Woche nimmt man’s hell, vom Geist durchdrungen,
Und weiter geht’s durchs Leben so hinfort zum Grab…
*
Von solcher Herrlichkeit man heut nur träumen kann,
Die Schäflein lockt man nicht zur Schur mit drögen Liedern,
Frau Pfarrerin wär besser ein Transgender-Mann
Und die Gemeinde, cool, sollt ihre Gags erwidern.

Ein Coming-out vielleicht, verkehrte Welt einmal:
Abstimmung, was wir aus der Bibel künftig streichen,
Bequeme Sitze, Lounges, wie im Kinosaal
Popcorn und Drinks, man muss die Menschen ja erreichen.

Mehr Fun! Mit Fingerfood zieht man sich Jesus rein,
Bleibt was im Alltag hängen, eja, umso lieber,
Wir sind bescheiden, wie er selbst, es hilft kein Nein,
Dienstleister nur, die Besserwisser hat man über…

©Wolfregen

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