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Fernand Khnopff: At Fosset. An Evening (1886)

Fernand Khnopff: At Fosset. An Evening (1886)

Der Blumenstrauß

Sie fiel ihm auf. Sie wechselten die Blicke.
Er fand sie hübsch. Sie fand ihn intressant.
Man sprach belanglos, suchte eine Brücke,
Nicht lange war’s, da wurden sie bekannt.
Man traf sich wieder, ging schon feiner essen,
Auch ins Theater, wo sie nie gesessen.

Sie lachte herzlich und es nahm kein Ende,
Aus mehrmals wurde häufig, schließlich oft,
Sie hielten in der Oper kurz die Hände,
Ein Kuss zum Abschied, flüchtig, unverhofft.
„Was soll, Geheimnisvolle, draus nur werden?“-
„O nichts, was ungewöhnlich ist auf Erden.“

„Sonnabend möcht ich dir mein Landhaus zeigen.“
Sie stand am Teich, ging durch den großen Park,
Um mehr und mehr ihr Herz ihm zuzuneigen;
Er witzelte, sie sprach verliebten Quark…
Ihr schien, als fielen nur noch Sternentaler,
Als wär sie Venus selbst und er ihr Maler.

Sind Märchen echt? Sie sah im goldnen Spiegel
Ein Aschenputtel, das bald Herrin war –
Hier könnt die Hausbar stehn und dort der Flügel,
Bediente flöchten ihr den Schmuck ins Haar.
Wie sag ich‘s ihnen, heiße sie entfernen?
Was ich nicht weiß, das kann ich ja noch lernen…

Er sah ihr zu mit reinem Wohlgefallen
Und ahnte schmunzelnd, was sie glücklich denkt;
„Geh durch die Räume“, sprach er, „schwelg in allen:
Es bleibt ein Traum, ich hab das Haus verschenkt.“
Ihr Lächeln stirbt. „Es war ein Scherz, nichts weiter“;
Führt sie hinaus, da wird sie wieder heiter.

Lang hört sie nichts von ihm, dann kommt ein Schreiben,
Zwei Worte und ein welker Blumenstrauß:
Verehrteste, ich möcht unhöflich bleiben,
Die Rosen riss ich noch am Abend aus.
Man schoss am Ziel vorbei mit Amors Pfeilen
Und leere Lust will ich mit Euch nicht teilen.

©Wolfregen

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