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Keller, Foto: Wolfregen

Keller, Foto: ©Wolfregen

Der Malefizschenk

Er reißt am Zügel das schnaubende Ross
Und jagt zurück durch die finstere Gasse,
Zum edlen Tropfen den herben er goss
Im Keller unten am hintersten Fasse.
Noch liegen die zwei dem Zechplatz zu nah:
Magister bleich hier, blass Wolfregen da!

Er zieht an Beinen die Treppe hinauf
Zuerst den einen und dann gleich den andern,
Nimmt schnell die Schaufel, den Flur gräbt er auf:
In Grund und Boden weg sollen sie wandern!
Das kahle Haupt glänzt, die Halssehne zuckt,
Er schuftet, bis nichts verdächtig mehr guckt.

Er tat sie wirten, sprach: „Brüder im Geist“,
Der Weihrauch waberte trüglich in Schwaden,
Die Kerze flackerte, „Seid‘s weit gereist?“
„Hier, trinkt!“- Nun haben sie beide den Schaden.
Kaum sind sie verscharrt, das Unwerk vollbracht,
Da sprengt er hinaus, hinfort durch die Nacht…

Man kann die Hufeisen heute noch hörn,
Ist merklich kühler die Gasse, wie Leichen,
Im Haus die Spiegel, als wollt sich‘s empörn,
Beschreiben selbst sich mit schrecklichen Zeichen.
Doch blickt ihr hinein, man hält es kaum aus:
Sieht drohend der Malefizschenk heraus!

©Wolfregen

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