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Foto: Wolfregen

Foto: ©Wolfregen

Zeitlos

Zeitlos? Die große Spinne Zeit,
Sie hält uns fest in ihrem Netze,
Durchschreiten wir die Räume weit:
Wir tauschen doch nicht unsre Plätze –
Vermeinen wir auch selbst zu gehn,
Es bleibt doch Werden und Geschehn!

Fruchtlos das Ringen: fremdbestimmt
Begriffen nach sich zu entwickeln,
Lebendigem den Atem nimmt,
Gesundes Wachstum zu zerstückeln.
Auch der Gedanke, klar und rund,
Braucht Erde und bereiten Grund.

Wir gehn erst dann durchs große Tor,
Wenn reißen all der Spinne Fäden:
Die Lebenssonne scheint hervor,
Heilt, stärkt und schützt vor neuen Schäden.
Wer aber ist’s, der Ketten bricht?
Ich geb es zu: ich weiß es nicht.

Uraltes naht und wirkt wie jung,
Was jetzt ist, muss wie tot erscheinen,
Hinaus zu Neuem nur ein Sprung:
Kein Widerspruch, das zu vereinen.
Der Zweifel fällt, auch Angst und Schuld –
Im Herzen Freiheit und Geduld.
*
Heut weiß ich, was mein weiser Freund
Vor fünfundzwanzig Jahren dachte;
Sprach: „Ich bin ein zeitloser Geist
In geistloser Zeit“ und er lachte.
Alexokles!
Ich habe ihn nie mehr gesehn,
Er hieß mich: eigne Wege gehn…

©Wolfregen

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