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Henry Meynell Rheam: Violets (1904)

Henry Meynell Rheam: Violets (1904)

Vergissmeinnicht

(Glaube – Liebe – Hoffnung)

Wie achtlos hingestellt stehn sie im Zimmer,
doch Schönheit heiligt diesen stillen Hain,
es ist, als ob sie feierlich erträumen
den einen nur, um innig nah zu sein.

Erinnern es, tapetenblau von Wänden,
Vergissmeinnicht im schimmernden Kristall,
vereint im Bunde violetter Veilchen,
und Pracht von Fliederblau blüht überall.

Aufblühn im Glas und bläulichem Damaste,
durchleuchtet seidenblau des Lebens Saft,
und tausend Perlen an der Blumen Schafte
bezeugen hier die noch verhandne Kraft.

Wenngleich die Häupter schon geneigt zu Tische,
graublau bestäubt das alte Pergament,
nicht nur vergilbt vom Nebel blasser Blüten,
wie man sie schon aus Rilkes Versen kennt.

„Verweint und ungenau“ von manchen Tränen,
ergossen in tiefgründig blauer Schrift,
verwässert nur der Glaube, großes Sehnen,
doch ganz ertrunken ist die Hoffnung nicht.

Ein Immergrün verweilet hier im Stillen,
ein Taubenblau im Brief durch Federkiel,
und alles feiert glanzvoll Liebesfeste,
blüht in Erwartung und der Vögel Spiel.

Vom Wind umspielt, im Himmelblau geborgen
des sanften Hangs, der sie leicht flatternd hebt,
Motiv im lichtdurchtränkten Stoff der Träume,
im Glanz der Scheiben auch gespiegelt schwebt.

Samtduftend flimmert es in tauben Sinnen,
blaublumig süß und frisch umwölkt von Sang,
ein Flüstern ahnungsvoller Seelen, Lüfte,
verheißungsvoll verströmt, hellblau im Klang!

©Constanze

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