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Caspar David Friedrich: Bäume und Sträucher im Schnee (ca. 1825)

Caspar David Friedrich: Bäume und Sträucher im Schnee (ca. 1825)

Vorfrühling

Ich las es in den Gedichten oft
Und hör’s aus altschönen Liedern,
Wie sehr das Frühjahr herbeigehofft –
Und Stimmen, die es erwidern.

Noch tönt am Morgen kein Amsellaut,
Die Spur im Schnee wirkt verloren,
Die Sonne scheint nicht, die alles taut,
Der Teich im Dorf bleibt gefroren!

Wie sehr die Tage sonst kalt und grau,
Am Abendhimmel ein Garten –
Gesellt sich dort nicht ein zartes Blau,
Sind’s Boten, die dich erwarten?

Getröstet sei nun, du banges Herz,
Der lange Winter muss weichen,
Sein weißes Schneekleid verzehrt der März,
Ein grünes möcht er ihm reichen.

Noch fehlt’s an Farben, die Glöckchen kaum
Entsprießen dürftig dem Boden,
Gelb stäuben Hasel und Erlenbaum,
Kein Grund zu freudigen Oden.

Erst wenn das Eis auf dem Weiher bricht,
Die letzten Schneereste schwinden,
Klein Mücklein spielen im warmen Licht,
Beseelter will ich dich finden.

Vorfrühling, du mich verzaubert hast,
Wir blicken um uns mit Sehnen,
Gerüche, lieblich wie Seidelbast,
Ein Wohllaut, rührend zu Tränen.

Die Vöglein singen dem neuen Tag
Vor Sonnenaufgang die Weise,
Sitzt draußen eines im dunklen Hag,
Mein Fenster öffne ich leise.

©Wolfregen

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