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Dante Gabriel Rossetti: Die Geliebte (1865/66)

Nimm hin den Duft von roten Rosen…

Nimm hin den Duft von roten Rosen
wie Hauch von meiner Lippen Glühn,
wenn tausend Küsse sanft uns sprießen,
ein liebend Blick, ein zärtlich Flehn.

Einst pflücktest du Maiglöckchen schön
und unser Nahen war nur Blühn,
nur Frühlingsstern und Wunderblume,
und Klee, dem stets vier Blatt erstehn.

Der Tag war voller Himmelsschlüssel,
Goldregen fiel auf unser Glück
und nachts gab ich dir Mondviolen,
Nachtkerzen glimmten uns am Stück.

Dann reichten wir uns Feuerlilien,
du Feigenblatt, ich Venusschuh,
und über allem wog Cosmea
und deckte uns liebkosend zu.

Und warst du fern, so kamen mir
nur Tränenherz und Veilchen nah,
Vergissmeinnicht tat ich in Vasen
und Schleierkraut mir fein ins Haar.

Ich sammelte auch Zittergras,
Zeitlosen und ein Bund Wegwarten,
und wenn ich deinen Namen sprach,
erklang nur Sehnsucht mir im Garten.

Ich schmückte mich mit Engelsblumen,
auch Tausendschön wollt ich nicht missen,
versteckte Belladonna-Lilien
dir zum Empfang dicht unterm Kissen.

Dann Frauenhaargras in die Briefe,
Adonisröschen unterm Stein,
getrocknet Blatt an hundert Orten,
so blumig kann nur Liebe sein!

Dann weinte ich bei deiner Rückkehr
vor Freude und vor neuem Glück,
Kussrosen legt ich dir zu Bruste,
du liebend Glanz in deinen Blick.

Du bist mein Ritterstern, mein Liebster,
und ich möcht dir Brautlilie sein,
so siegeln wir den Bund der Blüten,
lass wachsen ihn und lang gedeihn.

©Constanze

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