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Peter Paul Rubens: Der trunkene Silen (1616/17)

Peter Paul Rubens: Der trunkene Silen (1616/17)

Hommage an einen großen Mann

oder: Der trunkene Silen

Hat der alte Speckkopf sich
Wieder feist zu Tisch begeben,
Rutscht am Stuhl und räuspert sich,
Doch die Würste wollen leben.
Ja, ein Wink, die Karte kommt –
Rotwein, Perlhuhn? – Alles frommt!

An der Wursthand klebt schon Soße,
Nudeln hängen aus dem Mund,
Springt der Knopf an seiner Hose,
Lacht er nur und denkt: Na und.
Messer, Gabel, Löffel, Daumen –
Handwerkszeug für seinen Gaumen.

Wird ihm schwül ums Schweinsgenick,
Löst er etwas die Krawatte,
Nimmt zur Abwechslung ein Stück
Braten von der kalten Platte.
Spült die Kehle frisch mit Wein,
Gluckst vergnügt: “ ’s geht noch was rein!“

Zwar er kann’s nicht richtig lesen,
Doch es hört sich prächtig an –
Hochbetrieb herrscht hinterm Tresen:
Wachteln erst und dann Fasan.
Alles wahllos zu verschlingen,
Lässt er sich das Beste bringen.

Ja, sein Magen ist gewöhnt,
Ganze Torten zu verhaften,
Ist erst eigentlich versöhnt,
Wenn’s die Därme kaum verkraften.
Wenn er sich die Finger leckt,
Sieht man ein, ihm hat’s geschmeckt.

Wollt ihr ihm die Freud nicht lassen?!
Sattblind sieht er drollig aus,
Schaukelt selig seine Massen,
Taumelt dann vergnügt nach Haus.
Streckt verdauend seine Glieder,
Doch im Traume isst er wieder.

*

Sollt er einst begraben werden,
Lasst am Wurstseil ihn hinab,
Und als wachsamen Gefährten
Setzt ein Wirtsschild ihm aufs Grab.
Und dafür, ihr werdet’s schwören,
Seinen letzten Rülpser hören.

***

Verkehrte Welt: dieses Mal zur Abwechslung keine ernsten Zeilen

von mir, sondern ein paar lustige meines Mannes: ©Wolfregen.

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